So schreiben Sie Ihre perfekte Rede.

Ich habe über 4.900 Reden geschrieben und zeige Ihnen hier, wie Sie zeit­spa­rend zu Ihrem Rede­ziel kommen – syste­ma­tisch, Schritt für Schritt.

Rede schreiben

Inhalt
Persön­liche Hilfe

Die perfekte Rede schreiben

Immer wieder nahen Anlässe, bei denen Sie „schnell mal ein paar warme Worte“ sagen müssen.

„Wie schreibe ich eine Rede?“ oder „Wer kann mir helfen, eine Rede zu schreiben?“ – das fragen sich dann viele.

Denn eine Rede schreiben oder den Text für eine Video­bot­schaft, das hat man früher in der Schule kaum gelernt. Aufbau, Einlei­tung, Mittel­teil – Zuhörer begeis­tern … Wie man eine gute Rede schreibt, lehrt selbst die Univer­sität eher selten.

Das Ergebnis?

Klingt zum Beispiel so:

„40 Jahre umfasst der Zeit­raum, den Sie, Herr Gerhard, in unserem Hause Dienst getan haben, und Sie waren, wenn es nötig war, immer einsatzbereit.“

Im Dienst sollte man immer Dienst leisten. Aber Herr Gerhard war nur dazu „bereit“? Und auch nur dann, „wenn es nötig war“?

Er soll Lob bekommen – und bekommt eine Ohrfeige.

Derart abqua­li­fi­ziert, kann der Mitar­beiter auch kaum als Vorbild für die anderen dienen.

Rede­ziel verfehlt.

Gute Vorbilder hätte dieses Unter­nehmen drin­gend nötig. Das jeden­falls vermit­telt der Redner.

Denn was ist das für eine Firma, in der man für bloße Einsatz­be­reit­schaft gelobt wird?

Einsatz­be­reit müssen Feuer­wehr­leute sein, die auf einen Brand warten. Aber für gewöhn­lich sind Mitar­beiter, die Redelob verdienen, im Dienst nicht nur einsatz­be­reit – sondern tatsäch­lich im Einsatz.

Der Redner wirft ein schlechtes Licht auf sich selbst, auf den Jubilar und auf seine Firma. Vor allen Mitar­bei­tern und mögli­cher­weise auch vor Kunden und Liefe­ranten. Viel­leicht ist bei der Rede sogar die Presse dabei; dann ist der Image-Schaden noch größer.

Mich ärgert so etwas.

Das ist auch ein Grund, warum ich Reden­schreiber geworden bin. Früher als Jour­na­list habe ich fast täglich mehrere Reden hören müssen, sieben Jahre lang. Im Gegen­satz zu anderen Zuhö­rern musste ich bei diesen Tausenden Reden wirk­lich aufmerksam zuhören, durfte nicht tagträumen, wenn es lang­weilig wurde – denn ich musste ja mitschreiben und durfte nichts verpassen.

Dabei stellte ich fest, welche Elemente in Reden gut ankommen und welche nicht. Nach Studium und rheto­ri­scher Fort­bil­dung schreibe ich nun seit 20 Jahren Reden für Firmen und Privat­per­sonen. Auch Ihre persön­liche Rede schreibe oder opti­miere ich gerne oder berate Sie dazu.

Zudem lehre ich Reden schreiben in Semi­naren u. a. an der Deut­schen Redner­schule, der Schweizer Jour­na­lis­ten­schule und als Einzel­trai­ning (auch online).

Nach mitt­ler­weile rund 4.900 Reden weiß ich: Eine syste­ma­ti­sche Rede­vor­be­rei­tung spart Zeit und erhöht den Rede­er­folg. Doch wie funk­tio­niert das, wie schreibt man maximal effi­zient und effektiv eine Rede oder den Text für eine Videobotschaft?

Im Folgenden finden Sie meine syste­ma­ti­sche Anlei­tung. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit – und immer viel ehrli­chen Applaus!

1 In einer Viertelstunde 25 Stunden leisten

Auch, wer seine „warmen Worte“ geschickter wählt als im eingangs genannten Beispiel, dem Dienst­ju­bi­läum von Herrn Gerhard – meist handelt es sich bei den Worten um abge­nutzte, kraft­lose Stan­dard­phrasen; um das, was man „aus gege­benem Anlass“ eben so sagt. Statt durch kluges Reden­schreiben mehr zu leisten.

Verzichten Sie auf Worte von der Stange

Das lang­weilt die Zuhörer. Die warmen Worte von der Stange sind nur selten warm genug, um den Zuhörer zu erwärmen. Der Redner verfehlt sein wich­tigstes Ziel: das Publikum bewegen.

Wer die warmen Worte nicht aus dem Steg­reif sagen kann, sucht beim Reden­schreiben gerne nach Muster­reden.

Was er dann findet, zeigt das Beispiel mit Herrn Gerhard – die obige Sentenz stammt aus einer Muster­reden-Samm­lung aus dem Duden-Verlag.

Jede Rede ist eine große Chance

Weil Know-how für Reden fehlt, muss man im Berufs­leben eine Menge schlechter Reden ertragen. Reden, Anspra­chen, Gruß­worte gelten deshalb gemeinhin als lästige Pflicht­übung – für Publikum und Redner. Gutes Reden­schreiben wäre sinn­voll. Doch erst langsam folgt man im deutsch­spra­chigen Raum der ameri­ka­ni­schen Gewohn­heit, seine Rede von Reden­schrei­bern ghost­writen zu lassen.

Eine profes­sio­nelle Vorbe­rei­tung zahlt sich in jedem Falle aus. Denn jede Rede ist eine große Chance.

Rechnen Sie einmal, wie viele Menschen Sie mit Ihrer Rede persön­lich errei­chen, infor­mieren, führen können: Wenn Sie die Rede­zeit mit der Zuhö­rer­zahl multi­pli­zieren, ergibt sich die – beacht­liche – Größen­ord­nung. Spre­chen Sie beispiels­weise eine Vier­tel­stunde vor hundert Mitar­bei­tern, brauchten Sie 25 Stunden, um das selbe in Einzel­ge­sprä­chen zu transportieren!

All dies spricht dafür, auch die „kleinen“, ritua­li­sierten Rede­an­lässe – Jubi­läen, Eröff­nungen, Ehrungen, Verab­schie­dungen – nicht als Pflicht­übung, sondern als beson­dere Gele­gen­heit für die eigenen Ziele zu betrachten. Eine gut geschrie­bene Rede ehrt den verdienten Mitar­beiter – moti­viert, stimu­liert und führt aber auch seine Kollegen.

Eine Rede hat nicht dieselbe Wirkung wie ein Vier-Augen-Gespräch, wirkt aber auf Grund der persön­li­chen Präsenz weitaus stärker als Schrift­in­for­ma­tion. Das Gesagte schrift­lich zu trans­por­tieren (15 Minuten entspricht etwa zwei Seiten Text) – das ist nicht nur weniger effektiv, sondern kann in der tägli­chen Papier­flut sogar komplett untergehen.

Lohnt die Vorbereitung?

Damit Ihre Rede nicht unter­geht, sollten Sie sie gut vorbe­reiten. Das heißt Ihre Rede schreiben. Selbst große rheto­ri­sche Natur­ta­lente können ihre Rede vor dem Vortrag opti­mieren. Das nied­rige Durch­schnitts­ni­veau deut­scher Reden bereitet hier eine beson­dere Chance: Es ist nicht so schwer, über­durch­schnitt­lich gute Reden zu gestalten. Die Zuhörer werden es Ihnen danken, mit wahr­haft freund­li­cher Aufmerksamkeit.

Auch wenn der Witz in Ihrer Rede gar nicht so umwer­fend gut ist, auch wenn das beim Reden­schreiben gewählte Dich­ter­zitat kaum passt: Reden­zu­hörer lachen trotzdem, regel­recht demons­trativ – sie demons­trieren, dass sie dankbar sind selbst für die kleinste Auflo­cke­rung. Wir leben in einer „Erleb­nis­ge­sell­schaft“, doch schon seit Menschen­ge­denken gilt:

Der Zuhörer einer Rede will unter­halten werden. Ihre Rede darf kein Vortrag sein: Ihre Rede muss ein Erlebnis sein. Die Zuhörer hören dann gerne zu. Und – das Wich­tigste: sie hören über­haupt zu. Trotz der güns­tigen Kommu­ni­ka­ti­ons­si­tua­tion für Sie als Redner – Ihre Zuhörer sind erzogen worden, bei einer Rede zuzu­hören – bleibt es schließ­lich jedem im Publikum allein über­lassen, ob er tatsäch­lich zuhört oder geistig abschaltet. Eine gute Vorbe­rei­tung beein­flusst die Entschei­dung „Höre ich zu?“ enorm zu Ihren Gunsten. Diese Vorbe­rei­tung sollte abge­schlossen sein, bevor Sie Ihre Rede einstu­dieren.

In klar defi­nierten Schritten syste­ma­tisch zum Ergebnis

Eine Rede infor­miert nicht nur, sondern soll beein­flussen. Wenn Sie eine Rede schreiben, haben Sie immer im Hinter­kopf: Jede Rede sollte eine Über­zeu­gungs­rede sein! Machen Sie sich beim Reden­schreiben deshalb zunächst klar: Was ist das Ziel meiner Rede? Was ist meine Kern­aus­sage? Von der Rede­si­tua­tion hängt ab, wie Sie sie am besten trans­por­tieren. Dementspre­chend sammeln und wählen Sie Ihre Muni­tion. Beim ersten Ausar­beiten beachten Sie den opti­malen Aufbau. Schließ­lich erle­digen Sie die Fein­ar­beit, prüfen Ihre Worte, und kommen zur krea­tiven Kür: Bilder finden.

Bikini-Zitat Rede schreiben

2 Überlegen Sie Ziele und Botschaft

Was wollen Sie mit der Rede errei­chen? Versu­chen Sie, vor dem Reden­schreiben Ihre Haupt­ziele möglichst kurz aufzu­schreiben. Formu­lieren Sie dann für sich die Botschaft, auf einen Satz reduziert.

Nehmen wir das Beispiel vom Anfang. Ein Mitar­beiter, Herr Gerhard, wird aus dem Dienst verab­schiedet. Doch Ihr Haupt­re­de­ziel sollte mitnichten lauten: „Der Mitar­beiter soll möglichst freund­lich verab­schiedet werden.“ Für Sie ist das nur ein Neben­ziel. Nutzen Sie die Chance durchs Reden­schreiben, sich andere Haupt­ziele zu setzen, zum Beispiel:

  • “Die Mitar­beiter sollen sich ein Beispiel an dem flei­ßigen Herrn Gerhard nehmen.” 
  • “Wer gerne arbeitet, arbeitet gut: Die Mitar­beiter sollen das Gefühl bekommen, dass bei uns das Arbeiten Spaß macht.” 
  • “Der Nach­folger von Herrn Gerhard sollte einen opti­malen Start bekommen.” 

Das sind mögliche Ziele, wenn Sie Vorge­setzter von Herrn Gerhard sind und vor Mitar­bei­tern spre­chen. Sind Sie sein Kollege, reden vor seiner Familie, dann sehen Ihre Ziele anders aus. Was Ihre Ziele sind, finden Sie nach einigem Nach­denken leicht heraus. Schreiben Sie sie beim Reden­schreiben stich­wort­artig auf. Dabei gilt: Sie dürfen beim Schreiben einer Rede egois­tisch sein, wenn Sie sich Ihre Haupt­ziele klar machen. Aber Vorsicht:

  • Das Publikum darf nicht merken, dass Sie den Anlass für Ihre Inter­essen nutzen.
  • Was die Zuhörer erwarten, was die Rede­si­tua­tion von Ihnen verlangt, was nur recht und billig ist – hier: Herrn Gerhard freund­lich verab­schieden – sollten Sie trotzdem tun.

Beides gelingt Ihnen, indem Sie beim Reden­schreiben Ihre Haupt­ziele umfor­mu­lieren – in Botschaften. Sie wollen zum Beispiel, dass sich die Mitar­beiter ein Beispiel an dem flei­ßigen Herrn Gerhard nehmen. Dann könnte Ihre Botschaft lauten: „Fleiß lohnt sich!“ Sie stellen in Ihrem Rede­bei­trag dar, wie fleißig Herr Gerhard stets war – und wie sehr sich das für ihn gelohnt hat. Listen Sie detail­liert jede Beför­de­rung auf, die er bekommen hat.

Somit spre­chen Sie nur gut über den Mitar­beiter – Sie verab­schieden ihn also freund­lich, wie man es von Ihnen erwartet -, setzen den Zuhö­rern aber gleich­zeitig Ihr Rede­ziel in den Kopf. „Wenn ich auch so fleißig bin, bekomme ich auch so viele Beför­de­rungen“ sollen die Zuhörer denken.

Bei jedem Rede­an­lass werden Sie nach einigem Nach­denken viele Rede­ziele für sich entde­cken, die Sie dann mittels der Botschaften trans­por­tieren können. Eine Ausnahme von dieser Regel stellt die Trau­er­rede dar. „Es ist eine Frage guten Stils, das Leben eines Verstor­benen nicht etwa für Verkaufs­stra­te­gien von Strümpfen zu instru­men­ta­li­sieren.“ (Thilo von Trotha, Präsi­dent des Verbands der Reden­schreiber deut­scher Sprache)

Trans­por­tieren Sie Ihre Botschaft klar, deut­lich und mehrfach

Weil erfah­rungs­gemäß nur eine Botschaft am Ende wirk­lich hängen bleibt, sollten Sie beim Reden­schreiben für jede Rede eine Haupt­bot­schaft, ein Haupt­ziel auswählen, das quasi die Titel­me­lodie Ihrer Rede ist: Diese Botschaft kehrt im Laufe der Rede immer wieder, leicht abge­wan­delt und mit neuen Beispielen unter­mauert. Herr Gerhard hat viel­leicht nicht nur viele Über­stunden geleistet, sondern war womög­lich auch außer­halb der Dienst­zeiten im Einsatz. Er hat nicht nur Beför­de­rungen bekommen, sondern auch Incen­tives, Belo­bi­gungen, Prämien?

Die Haupt­bot­schaft kann eine sein, die Ihnen beson­ders wichtig ist. Wenn Sie die Wahl haben, entscheiden Sie sich für eine, die am besten auf das Objekt der Rede passt. Wenn Herr Gerhard gar nicht so fleißig war, machen Sie ihn nicht im Nach­hinein dazu! Selbst für feier­liche Fest­reden gilt: Ihre Botschaft muss glaub­haft und plau­sibel sein – sonst wird sie nicht ange­nommen. Suchen Sie also eine andere Eigenart von Herrn Gerhard, die Sie mit einem Ihrer Rede­ziele verbinden können.

Auch in feier­li­chen Momenten: Ihre Aussagen müssen glaub­haft sein

Manchmal müssen Sie regel­recht nach Trüf­feln suchen. Wenn Herr Gerhard zum Beispiel faul, unzu­ver­lässig und ein Lang­weiler ist … viel­leicht könnte man wenigs­tens ehrlich sagen, dass er ein netter Mensch ist?

In diesem Fall könnten Sie das tatsäch­lich zu Ihrer Titel­me­lodie erheben: „Ein sympa­thi­scher Mensch (verlässt uns leider).“ Führen Sie detail­liert aus, wie viel Spaß das Arbeiten mit solch einem netten Menschen gemacht hat. Wie sympa­thisch Herr Gerhard ist, haben ja auch immer wieder die Kunden bestä­tigt (die Sie damit als Zeugen für Ihre Botschaft einspannen). Sie errei­chen somit Ihr Rede­ziel „Die Mitar­beiter sollen das Gefühl bekommen, dass bei uns das Arbeiten Spaß macht.“

Wenn es nun ganz schlimm kommt? Viel­leicht sind die Mitar­beiter froh, den faulen und unsym­pa­thi­schen Herrn Gerhard endlich los zu sein. Loben Sie den Mitar­beiter zu sehr, wie bei Verab­schie­dungen üblich, haben Sie das Publikum gegen sich. Sagen Sie aber etwas Schlechtes über den Mitar­beiter, wäre das enorm unhöf­lich und Sie fallen aus Ihrer Redner-Rolle des „freund­li­chen Lauda­tors“- so etwas mag das Publikum noch viel weniger.

Auch in solchen Fällen gilt: ehrlich bleiben und an die Rede­ziele denken.

Verfolgen Sie doch zum Beispiel Ihr Rede­ziel „Der Nach­folger sollte einen opti­malen Start bekommen.“ Viel­leicht war Herr Gerhard ja deshalb unbe­liebt, weil er ein Pedant ist. Das könnten Sie drehen: Herr Gerhard hat alles bis ins Kleinste für seinen Nach­folger vorbe­reitet! Natür­lich „mit der ihm eigenen Akribie“, wie Sie die Pedan­terie umdeuten. Die Botschaft wäre also „Das Feld ist gut bestellt“ – und dafür dürfen Sie Herrn Gerhard tatsäch­lich „im Namen aller Mitar­beiter“ danken.

3 Munition sammeln

Wenn Sie Ihre Botschaft fest­ge­legt haben, schreiben Sie sie auf einen Zettel und legen sie gut sichtbar auf den Schreib­tisch. Lassen Sie Ihre Botschaft nicht aus den Augen, wenn Sie jetzt daran gehen, Stoff für Ihre Rede zu suchen oder auszu­wählen. So wird Ihnen auch jenes Mate­rial auffallen, das Sie eigent­lich links liegen gelassen hätten (Beispiel „Pedan­terie“) – aber mit Ihrer Botschaft im Sinn fällt Ihnen auf, dass es doch nütz­lich sein könnte, weil Sie es effekt­voll umdeuten können („Akribie“).

Und stets gilt: Gewichten Sie beim Reden­schreiben, betonen Sie, fischen Sie aus dem Daten­meer genau das heraus, was Ihnen persön­lich wichtig erscheint. Bei Reden kann man viele Ziele haben – Voll­stän­dig­keit ist bei Reden kein Ziel. Bei einer Jubi­lä­ums­rede zum Beispiel erwähnen Sie beim Reden­schreiben die Vergan­gen­heit nicht, um einen histo­ri­schen Bericht zu geben (das wäre ein Referat, keine Rede) – sondern um in der Vergan­gen­heit Anstöße und Argu­mente für die Zukunfts­ge­stal­tung zu gewinnen.

Wenn Sie zum Beispiel über Herrn Gerhard spre­chen, haben Sie viele Möglich­keiten, aber begehen Sie nicht den häufigen Fehler, einen Lebens­lauf zu verlesen. Das lang­weilt. Picken Sie lieber eine Station heraus, die Ihnen ins Auge fällt und Ihre Botschaft unter­mauert. Bei Reden geht es um High­lights, um subjek­tive Schwer­punkte. Ange­nehmer Neben­ef­fekt: Wenn Sie als einer von mehreren Rednern spre­chen, mini­miert sich das Risiko, dass Sie wieder­holen, was andere schon gesagt haben. Jeder gute Redner setzt seine eigenen Schwerpunkte.

Vermeiden Sie Fakten­fluten und Zahlenmeere

Redu­zieren Sie Ihr Mate­rial beim Reden­schreiben unter diesem Gesichts­punkt. Kandi­daten für den Papier­korb sind beson­ders Zahlen und Namen: Zu viel davon ist nicht nur lang­weilig, sondern über­for­dert den Zuhörer. Wenn Sie sich und Ihre Zuhörer von dem Ballast befreien, bleibt viel­leicht nicht mehr genug übrig, um die gefor­derte Rede­zeit zu füllen. Statt das Rede­ma­nu­skript nun doch mit Unwich­tigem zu füllen, sammeln Sie besser weitere, inter­es­sante Infor­ma­tionen zu Ihren Schwer­punkten. Tele­fo­nieren Sie, fragen Sie nach.

Behalten Sie Ihre Botschaft im Sinn, wenn Sie Ihre Muni­tion wählen

Unter­stüt­zendes Mate­rial für die Botschaft sind auch Zitate von Dich­tern und Denkern, auf deren Auto­rität Sie sich stützen können. Damit beweisen Sie auch Ihre Bildung und geben der Rede einen niveau­vollen Anstrich. Für eine Titel­me­lodie wie zum Beispiel „Fleiß lohnt sich!“ finden sich leicht passende Worte. Über­treiben Sie aber nicht, sonst wirkt es wie bildungs­bür­ger­liche Ange­berei. Faust­regel: Ein Zitat pro fünf Minuten Redezeit.

Viel­leicht ist am Tag der Rede ja auch ein histo­ri­sches Jubi­läum, das zur Botschaft passt. Dass „heute auf den Tag genau vor … Jahren“ zum Beispiel irgend­eine bekannte Fleiß­ar­beit voll­bracht wurde (Bauwerke beispiels­weise), können Sie mit guter Wirkung zitieren. „Aus der Geschichte lernen“ ist speziell in Deutsch­land eine aner­kannte Tugend; die Zuhörer folgen Ihnen da bereit­willig. Der Anlass erscheint wich­tiger und Sie beweisen eben­falls Ihr Wissen.

Perfekt wählen Sie die Zitat in Ihrer Rede, wenn es indi­vi­duell auf den Gegen­stand Ihrer Rede passt (lesen Sie hier mehr, am Beispiel von Zitaten zur Laudatio beim 70. Geburtstag).

Nicht jedes Mate­rial, das Sie verwenden möchten, muss zu Ihrer Botschaft gehören. Es gibt immer Infor­ma­tionen, die man einfach nennen will, muss oder sollte. Aber prüfen Sie beim Reden­schreiben auf Herz und Nieren jede unin­ter­es­sante Infor­ma­tion, ob sie wirk­lich nötig ist. Werfen Sie Ballast ab.

Geben Sie Ihrem Publikum Nutz­wert und Freude

Nutzen Sie den so entstan­denen Frei­raum, um dem Publikum zu gefallen. In der Medien‑, Spaß- und Erleb­nis­ge­sell­schaft gilt immer stärker das alte Redner-Motto von Horaz: ‚Prodesse et delec­tare!‘ – nutzen und erfreuen!

Zuhörer erwarten verstärkt Nutz­wert von Infor­ma­tionen, und sie wollen unter­halten werden. Arbeiten Sie beim Reden­schreiben an Ihren Schwer­punkten also in dem Sinne, dass Sie über­legen: Welche Infor­ma­tion bringt meinen Zuhö­rern einen Nutzen?

Bei der Verab­schie­dung von Herrn Gerhard wären das zum Beispiel persön­liche Infos über seinen Nach­folger. Und suchen Sie nach Wort­spielen (Witze mit Nach­namen sind aber tabu), nach Anek­doten und Zitaten – dadurch wird Ihre Rede lustig. Witzige Zitate, inter­es­sante Fakten und sogar Anek­doten zu Ihrem Rede­thema finden Sie schnell und einfach im Internet.

Bei Reden im privaten Bereich (etwa zum Hoch­zeitstag) sollten Anek­doten natür­lich aus dem persön­li­chen Erleben gewonnen werden. Das heißt: Sie können Ihrer Rede einen beson­deren Charme geben, wenn Sie die Verab­schie­dung von Herrn Gerhard verglei­chen mit der Verab­schie­dung von Reichs­kanzler Bismarck oder Bundes­kanzler Adenauer – wozu Sie wahr­schein­lich leicht Anek­doten im Internet finden. Reden Sie aber bei Ihrer eigenen Silber­hoch­zeit, wirken Sie mit solchen Verglei­chen, als wären Sie auf der falschen Hochzeit(sfeier). Hier sollten Sie natür­lich selbst erlebte Anek­doten zum Besten geben.

4 Der Aufbau

Sie haben Ihre Muni­tion gesam­melt, das Mate­rial ausge­wählt und gewichtet. Wenn Sie jetzt ans Schreiben gehen, denken Sie daran: Es geht darum, Infor­ma­tionen zu verkaufen. Fakten, Meinungen und Prognosen so darzu­stellen, dass es Ihrem Rede­ziel nutzt.

4.1 Anre­gungen für die Grobgliederung

Beginnen Sie jetzt, Ihr Mate­rial grob in der Reihen­folge zu sortieren, wie Sie es später in der Rede präsen­tieren möchten. Jedes Thema hat seine eigene innere Logik, der Sie folgen sollten. Dabei können Ihnen die folgenden Aufbau­typen als Anre­gung dienen:

Typ „Weih­nachts­rede
1. Zielen Sie auf das Wohl­wollen Ihrer Zuhörer ab
2. Spre­chen Sie Gemein­sam­keiten mit dem Publikum an

Typ „Dankes­rede“:
1. Stellen Sie eine rheto­ri­sche Frage
2. Beant­worten Sie diese

Typ „Jubi­lä­ums­feier“ oder „Hoch­zeits­rede als Braut­vater(sehen Sie dazu auch meine Tipps für die Braut­va­ter­rede)
1. Erin­nern Sie an die Vergangenheit
2. beschreiben die Gegenwart
3. Malen Sie die Zukunft aus

Typ „Info­rede“:
1. Beginnen Sie mit einer These
2. Stellen die Anti­these dar
3. Lassen Sie die Synthese folgen

Typ „Klas­si­scher Streitfall“:
1. Versu­chen Sie das Wohl­wollen Ihrer Zuhörer zu gewinnen
2. Schil­dern eine bestimmte Situation
3. Formu­lieren Sie Ziele
4. Setzen sich mit gegne­ri­schen Argu­menten auseinander
5. Führen Sie eigene Argu­mente ins Feld
6. Gewichten zu Ihren Gunsten
7. Appel­lieren an die Gefühle des Publikums
8. Machen Sie einen Kompromissvorschlag

Typ „Flexible Argumentation“:
1. Wecken Sie das Inter­esse an der Sache
2. Nennen Ihr Thema
3. Begründen dessen Notwendigkeit
4. Führen Sie hierfür Beispiele an
5. Machen Sie Lösungsvorschläge

Nutzen Sie die Sche­mata flexibel. Beim Typ „Klas­si­scher Streit­fall“ ist es zum Beispiel möglich, die Punkte 2 und 3 sowie 4 und 5 mitein­ander zu vertau­schen. Den Kompro­miss­vor­schlag können Sie auch weglassen. Die Punkte 7 und 8 können genauso gut einen Schluss bilden.

Die Sche­mata sollen Sie nicht einengen, sondern inspirieren

Lassen Sie sich von diesen Sche­mata nicht beschränken, sondern anregen. Anwendbar sind sie nicht nur für die grobe Glie­de­rung, sondern auch inner­halb der Rede. Der Typ „Dankes­rede“ beispiels­weise steckt als Punkt 3 („Formu­lieren Sie Ziele“) im Schema „Klas­si­scher Streit­fall“. Die Sche­mata können Sie inner­halb auch im Kleinen nutzen, bis hinunter auf die Ebene einzelner Sätze. Der Typ „Weih­nachts­feier“ eignet sich zum Beispiel für Einleitungen.

Der Typ „Flexible Argu­men­ta­tion“ ist das varia­belste, wand­lungs­fä­higste Schema. Es handelt sich um einen Fünf­satz. Einlei­tung, Haupt­teil und Schluss werden in einen logi­schen Bezug gebracht, der eine Dispo­si­tion und Verar­bei­tung des Stoffs leicht macht. Weil ein bequemes und bewährtes Gerüst zu Grunde liegt, das sich an ganz verschie­dene Rede­ab­sichten anpassen lässt.

Auch die folgenden Beispiel­sche­mata sollen Sie anregen und Ihnen helfen, Ihren eigenen Rede­aufbau zu unter­su­chen. Es ist nicht immer sinn­voll, solche Sche­mata als starre Scha­blonen zu nutzen. Sie können sich Ihre persön­liche Form des Fünf­satzes konstru­ieren. Beispiele:

Fünf­satz als Kette:

1. Der Vorschlag von X lautet …
2. Meine Meinung ist jedoch …
3. Wir sollten deshalb überlegen …
4. Das würde bewirken …
5. Darum lassen Sie uns …

Dialek­ti­scher Aufbau:

1. Fakt ist …
2. A ist der Auffassung …
3. B jedoch meint …
4. Stelle ich das verglei­chend gegen­über, komme ich zu dem Ergebnis …
5. Darum sollten wir …

Oder:

1. Der allge­meine Stand­punkt ist …
2. Meine Ansicht dazu sieht so aus …
3. Es gibt dazu Gegenpositionen …
4. Pro und Kontra wird abgewägt
5. Aufruf zur Entschei­dung, zum Handeln

Kompro­miss:

1. A ist der Meinung …
2. B meint dagegen …
3. Das Gemein­same ist …
4. Daraus kann man den Kompro­miss finden …
5. Das könnte die Grund­lage für künf­tiges Handeln sein.

4.2 Der Anfang

Der Anfang einer Rede bedeutet für den Redner meis­tens vor allem eines: Lampen­fieber! Wenn Sie Ihre Rede aller­dings früh genug vorbe­reiten, können Sie noch ohne allzu­viel Rede­angst in Ruhe über­legen: Wie kann ich mein Publikum gewinnen beim Einstieg in meine Rede?

Für den Anfang ist das oberste Ziel, über­haupt einmal die Aufmerk­sam­keit des Publi­kums zu gewinnen. Der Zuhörer soll zudem über­zeugt werden, dass es sich lohnt, Ihnen zuzuhören.

Die ersten Worte sind daher entschei­dend. Ebenso wie die ersten Sätze eines Werbe­briefs, die darüber entscheiden, ob der Inter­es­sent sich dem Angebot zuwendet – so entscheiden Ihre ersten Worte, der erste Eindruck, ob Sie Ihre Infor­ma­tionen verkaufen können und Ihr Rede­ziel erreichen.

4.2.1 Optimal begrüßen

Die ersten Worte, wenn Sie Ihre Rede schreiben, bilden nun übli­cher­weise die Begrü­ßung. Wie diese Begrü­ßung aber übli­cher­weise ausge­führt wird, läuft dem Ziel zuwider, dass Sie sich für den Anfang Ihrer Rede beim Schreiben setzen sollten: das Publikum inter­es­sieren, Ihrer Rede weiter zuzuhören!

Möglichst viele Anwe­sende werden nament­lich begrüßt, was bei vielen „anwe­senden Ehren­gästen“ in eine Art Begrü­ßungs-Mara­thon ausarten kann. Gibt es viele Ehren­gäste, spre­chen meist auch mehrere Redner – und dann wieder­holt sich diese lang­wei­lige Prozedur der Begrü­ßungs­rede sogar mehrfach.

Spielen Sie dieses eitle und altmo­di­sche Spiel nicht mit!

Halten Sie die Begrü­ßung so kurz wie möglich. Das Publikum wird es Ihnen danken. Sie bekommen einen Sympa­thie-Bonus, einen guten Start. Außerdem müssen Sie Aufmerk­sam­keit erregen – und das schafft man nicht, indem man übli­chen Ritualen folgt.

Möchten Sie Reden schreiben lernen, beginnen Sie mit der Begrü­ßung. Konkret können Sie eine kurze Begrü­ßung wie folgt gestalten:

Nicht mehr als drei Begrü­ßungen am Anfang

Wie lang die Begrü­ßung sein soll, darüber gibt es verschie­dene Ansichten. Wir empfehlen: Drei Anreden genügen in der Regel. In unserem Beispiel mit Herrn Gerhard könnte dies so aussehen:

„Sehr geehrter Herr Gerhard,
sehr verehrte/geehrte Damen, sehr geehrte Herren -
liebe Gäste!“

Zu Anrede 1:

Statt „Herr Gerhard“ setzen Sie je nach Rede die wich­tigste Person ein. Also lautet der erste Atemzug Ihrer Rede: „Sehr geehrter Herr [Hauptperson]/[Gastgeber]/[Oberehrengast]!“

Viele Redner nennen die Haupt­person – den Jubilar, den Preis­träger etc. – am Ende ihrer Anreden-Serie. Doch das ist zwei­fellos unhöf­lich. Wenn es eine Haupt­person gibt, sollte sie zuerst begrüßt werden, auch wenn sie rang­nied­riger ist als der höchste Ehren­gast. So beweisen Sie als Redner Ihren Respekt vor dem Rede­an­lass und der Haupt­person – und machen schon im ersten Satz deut­lich, dass Sie die Haupt­person tatsäch­lich für die wich­tigste Person des Tages halten.

Wenn es keine Haupt­person gibt, entscheiden Sie selbst, ob Sie lieber den Gast­geber oder den höchst­ran­gigen Ehren­gast zuerst begrüßen.

Zu Anrede 2:

„Sehr verehrte/geehrte Damen, sehr geehrte Herren!“

Wenn es Ihnen als Mann gefällt, können Sie die Damen als vereh­rens­wert anreden. Falls Sie als (oder für) eine Frau eine Rede schreiben, empfiehlt sich die Formel „Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren“ oder „sehr geehrte Damen und Herren“. Verzichten Sie beim Reden­schreiben aber auf „meine sehr geehrten Damen und Herren“. Die Gäste gehören Ihnen nicht.

Wer von Anrede 1 nicht ange­spro­chen wird, wird sich hier wieder­finden. Wenn Sie Ihre Rede schreiben, haben Sie Ihre Pflicht für den Anfang erfüllt und sämt­liche Gäste ange­spro­chen zum Auftakt. Bei sehr kurzen Reden kann diese Formel deshalb allein­ste­hend ausreichen.

Zu Anrede 3:

„Liebe Gäste/Kollegen/Freunde …“

Vom Anlass hängt ab, wen Sie hier begrüßen. Natür­lich macht es einen Unter­schied, ob Sie zum Beispiel eine Ansprache zu einer Werks­er­öff­nung vorbe­reiten – oder eine Rede für Ihren eigenen 70. oder 80. Geburtstag schreiben. Entschei­dend ist das Wört­chen „Liebe“: ein prägnantes, wahr­haft herz­li­ches und persön­li­ches Wort – stärker als Phrasen wie „möchte ich Sie persön­lich ganz herz­lich begrüßen“.

Weitere Begrü­ßungen: im Zusammenhang

Selbst­ver­ständ­lich kann es die Höflich­keit gebieten, weitere anwe­sende Gäste nament­lich zu begrüßen. Das ist auch eine schöne Sache – Zuhörer werden freund­lich und direkt ange­spro­chen – und beson­ders als Gast­geber möchten Sie nicht darauf verzichten. Aber welches Gesetz sagt, dass eine Begrü­ßung direkt am Anfang erfolgen muss?

Plat­zieren Sie weitere Begrü­ßungen besser dort in Ihrer Rede, wo es inhalt­lich passt. Wenn Sie beispiels­weise bei der Eröff­nung eines neues Bauwerks reden oder bei einem Richt­fest, dann bietet sich folgendes Vorgehen an:

Im Mittel­teil Ihrer Rede schil­dern Sie in leuch­tenden Farben, wie wunder­voll das neue Haus geworden ist. Also eine Glanz­leis­tung des Archi­tekten! Nun wird man Ihnen den Satz glauben: „Ich freue mich deshalb ganz beson­ders, dass Herr Archi­tekt XY heute mit uns feiert – Herr XY, auch an Sie ein herz­li­ches Willkommen!“

Begrüßen Sie den Archi­tekten aber direkt am Anfang – wie es üblich ist -, geht dies zwischen Ihren anderen Begrü­ßungen unter. Und das Publikum denkt gelang­weilt: „Na ja, er begrüßt den Archi­tekten halt, weil es seine Pflicht ist.“

Sehr geehrt, verehrt – oder wert?

Erscheint Ihnen die Gruß­formel „Meine sehr geehrten Damen und Herren“ zu egozen­trisch – die Zuhörer gehören Ihnen schließ­lich nicht -, verwenden Sie „Sehr geehrte“ – even­tuell durch ein „Guten Tag/Abend, …“ modern eingeleitet.

Mögen Sie es schön altmo­disch, ist auch „Sehr verehrte Damen und Herren“ oder „Verehrter Herr …“ zulässig. Ande­rer­seits müssen Sie Ihre Zuhörer nicht schon am Anfang der Rede in den Rang eines vereh­rungs­wür­digen Idols erheben … Vom Gründer des deut­schen Reden­schreiber-Verbands stammt folgende Anekdote:

„Meine erste Rede für den Vorstands­vor­sit­zenden eines großen chemi­schen Unter­neh­mens begann: ‚Meine sehr verehrten Damen und Herren.‘ Darauf er: ‚Ich verehre keine Männer.‘ Die Anrede wurde geändert.“

4.3 Der Einstieg

Mit der kurzen Anrede haben Sie dafür gesorgt, dass die Aufmerk­sam­keits-Bereit­schaft der Zuhörer noch nicht erschöpft ist, bevor Sie nun mit Ihrer Rede beginnen. Doch jetzt kommt’s drauf an. Gefragt sind ein paar kurze, knackige und klare Sätze, die dem Zuhörer Lust machen, weiter zuzuhören.

Machen Sie Ihre Zuhörer aufmerksam

Denken Sie an Ihre Botschaft, und verbinden Sie diese mit einer inter­es­santen Einstiegs-Infor­ma­tion. Nehmen wir an, Sie wollen wie in unserem Beispiel einen Mitar­beiter verab­schieden und Ihre Botschaft lautet „Fleiß zahlt sich aus.“ Nehmen wir weiter an, Sie stellen Schrauben her und Ihre Firma heißt „Eisen­stein“. Dann könnte der Einstieg so lauten:

„Manche sagen, wir Eisen­steiner wären arro­gant. Manche sagen sogar, wir seien der ‚FC Bayern‘ der Schrau­ben­branche. Liebe Eisen­steiner, der FC Bayern spielt in der Champion’s League – und ja, da spielen auch wir! Aber das schafft man nicht mit Arro­ganz. Sondern nur mit Fleiß. Mit großem Fleiß. Einer unserer Flei­ßigsten verlässt uns heute.“

Es ist Ihnen sicher­lich aufge­fallen: Mit diesem Einstieg erzeugen Sie ein Wir-Gefühl. Die Zuhörer fühlen sich ange­spro­chen und mit dem Redner verbunden. Um einen Wir-Einstieg zu finden, fragen Sie sich, mit Ihrer Botschaft im Sinn:

Was habe ich mit meinen Zuhö­rern gemeinsam? Leben sie in derselben Region, spre­chen sie denselben Dialekt, arbeiten sie in derselben Branche, gehören Sie derselben Firma an..?

Ähnlich wirkungs­voll sind Einstiege, die Sie mit den folgenden Fragen finden:

  • Welche neue Infor­ma­tion habe ich, die den Zuhö­rern nützt? Neuig­keiten mit Nutz­wert präsen­tieren – ein hervor­ra­gender Einstieg. Viel­leicht hat der Eisen­steiner Betriebsrat gerade einem neuen Arbeits­mo­dell zuge­stimmt, das Fleiß beson­ders belohnt? 
  • Gibt es einen Witz, eine Anek­dote oder einen Spruch zum Thema, mit dem Sie Ihre Rede lustig einleiten können? Humor schafft einen wunder­baren Einstieg. Dabei wirkt Selbst­ironie beson­ders gut. 
  • Gibt es ein passendes histo­ri­sches Ereignis am Tag der Rede? Viel­leicht haben Sie bei der Stoff­samm­lung gefunden, dass an dem Tag der Rede („heute genau vor … Jahren“) eine große Fleiß­ar­beit voll­endet wurde. Präsen­tieren Sie das ruhig schon am Anfang, es ist ein guter Einstieg. 
  • Was zeichnet den Ort aus, an dem ich meine Rede halte? Viel­leicht finden Sie Beson­der­heiten rund um den Rede-Ort, der zur Botschaft passt. Denken Sie zum Beispiel unter dem Gesichts­punkt „Fleiß zahlt sich aus“ an den Saal, das Haus, die Nach­bar­schaft, die Stadt … 
  • Kann ich an die Rede­si­tua­tion anknüpfen? Wenn Sie sichere Infor­ma­tionen darüber haben, wer zum Beispiel unter den Zuhö­rern sein wird, wer sonst noch redet, was im Rahmen­pro­gramm passiert – dann können Sie sich darauf vorbe­reiten und im Einstieg verar­beiten. Das wirkt spontan. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen möchten, sollten Sie Anknüp­fungen aber tatsäch­lich spontan suchen. 
  • Was kann ich von mir persön­lich erzählen? Was haben Sie beispiels­weise als Kind zum Thema Fleiß gedacht, erlebt, gefühlt? Was hat Ihnen Ihr Vater dazu gesagt? Beson­ders bei diesem Einstieg kommt das Publikum Ihnen näher – was die Bereit­schaft der Zuhörer erhöht, sich Ihnen gedank­lich zuzuwenden. 
  • Welches Kompli­ment kann ich meinen Zuhö­rern machen? Das wirkungs­vollste Mittel verbaler Höflich­keit, das Ihnen Sympa­thie einbringt. Schauen Sie sich das erste Einstiegs-Beispiel mit der Champion’s League an: Bevor Sie einen einzelnen Mitar­beiter als beson­ders fleißig loben, kann es nicht schaden, allen Mitar­bei­tern das Kompli­ment zu machen. 

Ein guter Einstieg macht Arbeit, aber sein Effekt lohnt die Mühe. Um den Effekt zu verstärken, können Sie den Einstieg auch vor der Begrü­ßung, vor den Anreden, plat­zieren. Und selbst­ver­ständ­lich sind alle rheto­ri­schen Mittel erlaubt – zum Beispiel eine Frage: „Wissen Sie, was heute vor hundert Jahren passiert ist?“

Im Gegen­satz dazu sollten Sie proto­kol­la­ri­sche Stan­dard­phrasen vermeiden. „Es ist mir eine ganz beson­ders große Freude und Ehre, heute zu Ihnen spre­chen zu dürfen.“ Wie oft wird hier gelogen – unter dem Deck­mantel der Höflich­keit. Das macht Sie als Redner unglaub­würdig. Sollten Sie sich tatsäch­lich freuen und geehrt fühlen, formu­lieren Sie das besser in ihren eigenen Worten. Und sagen Sie nichts, was alle schon wissen. Zum Beispiel: „Wir haben uns heute hier versam­melt, um …“ – ein weiterer, schreck­lich lang­wei­liger Stan­dard­satz, auf den Sie verzichten können.

4.4 Der Mittelteil

Sie haben im Aufbau nahezu die selben Frei­heiten und Möglich­keiten wie bei geschrie­benem Text. Lassen Sie sich inspi­rieren von den Sche­mata der Grob­glie­de­rung (siehe „Anre­gungen für die Grob­glie­de­rung“), die Sie auch im Kleinen, für einzelne Abschnitte in Ihrem Mittel­teil verwenden können.

Bauen Sie einfach und übersichtlich

Wie auch immer Sie den Mittel­teil bauen – sortieren Sie ihn gut. Konstru­ieren Sie möglichst einfach und über­sicht­lich. Bedenken Sie, dass ein Leser viele typo­gra­fi­sche Signale und Hilfs­mittel bekommt, die ein Hörer nicht hat: Seiten­zahlen, Glie­de­rungs­punkte, Über­schriften, Fett- und Kursiv­druck, Unter­strei­chungen und Anführungsstriche …

Setzen Sie sprach­liche Gliederungssignale

Wenn Sie eine Rede schreiben, versprach­li­chen Sie diese grafi­schen Hilfen, die das Text­ver­ständnis erleich­tern. Spre­chen Sie verstärkt von „Erstens, zwei­tens, drit­tens“, ersetzen Sie einen Fett­druck durch Betonen (im Manu­skript markieren), geben Sie das Signal für Anfüh­rungs­striche durch Formu­lie­rungen wie „ich zitiere“. Mit einem Wort: Machen Sie den Aufbau deutlich.

Auch Satz­zei­chen kann man nicht hören. Es empfiehlt sich daher, die Sätze im Rede­ma­nu­skript in Sinn­ein­heiten aufzu­teilen und pro Zeile sogar nur eine Sinn­ein­heit zu drucken. Beispiel

„Wissen Sie,
was
heute vor hundert Jahren
passiert ist?“

Denken Sie stets daran, dass ein Leser zurück­lesen kann – der Hörer Ihrer Rede aber nicht. Während bei kurzen gedruckten Texten eine einzige Zusam­men­fas­sung am Ende üblich und ausrei­chend ist, danken es die Zuhörer bei längeren Reden (ab 15 Minuten), wenn sie inner­halb des Rede­textes kurze (!) Zusam­men­fas­sungen oder Ausblicke auf das Folgende bekommen. Wieder­holen Sie auch Kern­sätze; beson­ders dann, wenn diese Ihre Botschaft stützen.

4.5 Der Schluss

Auch das Ende Ihrer Rede kann der Zuhörer nicht sehen – Sie sollten es sprach­lich signa­li­sieren. So regen Sie den Zuhörer noch einmal zu erhöhter Aufmerk­sam­keit an. Bei längeren Reden ist es sinn­voll, eine Zusam­men­fas­sung am Ende zu servieren. Um zu signa­li­sieren, dass Sie zum Ende kommen, können Sie die Rede zu einer runden Sache machen, indem Sie einen Bogen zum Anfang schlagen. Oder Sie leiten zum nächsten Programm­punkt über – bevor­zugt dann, wenn er mit Ihrer Rede zu tun hat: „Wir möchten Herrn Gerhard ehren. Das wollen wir jetzt auch Schwarz auf Weiß tun. Mit einer Urkunde.“

Kündigen Sie das Ende an

Wie Sie den Schluss am besten gestalten, hängt auch von der Art Ihrer Rede ab. Hier einige Rede­typen mit den Marsch­routen zum passenden Schluss:

Analy­ti­sche Ausfüh­rungen: Wenn Sie in Ihrer Rede Alter­na­tiven disku­tieren, oft mit „Einer­seits – ande­rer­seits“ argu­men­tieren, präsen­tieren Sie am Ende Ihre Schluss­fol­ge­rung und sagen, was daraus folgt: Nennen Sie die Konsequenzen.

Emotio­nale, verlet­zende Rede: Versöhnen Sie die Gegen­sätze, indem Sie beispiels­weise ein Wir-Gefühl produ­zieren: „Wir sind uns zwar nicht einig, aber wir sind alle …“

Führungs­rede: Geben Sie einen Ausblick in die Zukunft.

Mora­li­sche, nach­denk­liche Reden: Fassen Sie die Aufgaben stich­wort­artig zusammen und appel­lieren Sie an das Gewissen der Zuhörer.

Moti­va­ti­ons­rede, Wahl­kampf­rede, Angriffs­rede: Fordern Sie zum Handeln auf!

5 Die richtigen Worte und Sätze

Die besten Reden schreibt man nicht, sondern man schreibt sie ab. Das soll nicht bedeuten, dass Sie Reden­texte stehlen – Sie sollten sie diktieren.

Beim Schreiben tendieren wir dazu, uns kompli­ziert auszu­drü­cken. Denn in der Schule haben wir gelernt, dass „wich­tige“ Texte schwierig zu lesen sind. Das führt meist dazu, dass noch im Erwach­se­nen­alter schwer verständ­liche Texte mit dem posi­tiven Prädikat „anspruchs­voll!“ gelobt werden – fälschlicherweise.

Ist der Text unver­ständ­lich, ist nicht der Leser oder Hörer dumm, sondern der Autor hat sich nicht genü­gend Mühe gegeben. Ein Reden­schreiber muss sich beson­ders viel Mühe geben.

Verständ­lich­keit ist Trumpf – ein Rede­zu­hörer kann nicht zurück­lesen und kaum nachfragen

Ein Leser kann zurück­lesen, wenn er einen Satz nicht verstanden hat. Ein Gesprächs­partner kann nach­fragen, wenn er etwas nicht verstanden hat. Der Zuhörer einer Rede nicht, denn er soll sich ruhig verhalten. Wer nun als Redner „wichtig“ und „anspruchs­voll“ klingen will, d. h. kompli­ziert – der läuft Gefahr, gar nicht verstanden zu werden.

Verständ­lich­keit ist daher bei Rede­texten oberstes Gebot. Bemühen Sie sich um eine einfache, klare, münd­liche Sprache. Wenn Sie Ihren Text diktieren, wird er auto­ma­tisch verständ­li­cher. Denn beim Spre­chen sind wir eher auf Verständ­lich­keit trai­niert als beim Schreiben. Lesen Sie sich Ihren Text in jedem Falle laut vor, dann fallen Ihnen unver­ständ­liche Stellen auf.

Syste­ma­tisch opti­mieren Sie die Sprache Ihres Rede­texts, indem Sie die folgenden Punkte jeweils in einem eigenen Durch­gang kontrol­lieren. Suchen Sie in Ihrem Text­ent­wurf beispiels­weise im ersten Durch­gang ausschließ­lich nach Adjek­tiven und prüfen Sie jedes Adjektiv, ob es durch ein besseres ersetzt oder komplett gestri­chen werden sollte:

5.1 Adjek­tive

Das Wort „Adjektiv“ stammt aus dem Latei­ni­schen und bedeutet „das Dran­ge­wor­fene“. Adjek­tive sind die belieb­testen Hilfs­mittel, um Reden­texte aufzu­blähen, sie als wich­tiger und gehalt­voller scheinen zu lassen.

Tatsäch­lich werden Reden dadurch schwammig und ungenau. „Adjek­tive richten Schaden an: Sie spreizen, blähen und verwi­schen, sie provo­zieren Doppel­deu­tig­keit und Wider­sinn, wattig legen sie sich auf schlanke Verben und pralle Substan­tive.“ (Wolf Schneider)

Etwa 60 Prozent aller Adjek­tive können Sie entfernen

Durch­schnitt­lich zwei von drei Adjek­tiven sind entbehr­lich. Darauf sollten Sie verzichten:

  • „Edel­füllsel“ wie „ekla­tant“, „unmiss­ver­ständ­lich“, „sensi­bi­li­siert“
  • Tauto­lo­gien wie die altbe­kannten weißen Schimmel und schwarzen Raben, aber auch moderne Vari­anten wie „situa­tive Gege­ben­heit“ (nennen Sie das besser „Lage“).
  • aus Substan­tiven entstan­dene Adjek­tive nach dem Strick­muster: Haupt­wort wird in Adjektiv plus Substantiv zerlegt. Beispiels­weise werden aus „Werbe­ak­ti­vi­täten“ „werb­liche Aktivitäten“
  • aus Substan­tiven gebaute Adjek­tive mit einem nichts sagenden weiteren Substantiv. Beispiel: Aus „in der Schule“ wird „im schu­li­schen Bereich“
  • aus Substan­tiven neu erfun­dene Adjek­tive. Beispiel: „dialek­taler Sprach­ge­brauch“ statt „Dialekt­ge­brauch“
  • Adjek­tive aus Länder­namen. Sie sind nicht nur meist über­flüssig, sondern oft über­dies unver­ständ­lich – zum Beispiel „guate­mal­te­kisch“
  • doppel­deu­tige Adjek­tive. Beispiel: „soziale Kälte“ – dies kann auch bedeuten, dass die Kälte sozial ist
  • einem Haupt­wort falsch zuge­ord­nete Adjek­tive. Beispiel: „künst­liche Intelligenzforschung“
  • falsch gestei­gerte Adjek­tive, zum Beispiel „in keinster Weise“.

Bei der Text­op­ti­mie­rung empfiehlt E. A. Rauter („Vom Umgang mit Wörtern“, München 1980) bezüg­lich Adjek­tiven: „Wo es nicht zwin­gend ist, ist es falsch.“ Bei Adjek­tiven rät W. E. Süskind („Vom ABC zum Sprach­kunst­werk“, Stutt­gart 1953): „… sogar völlige Enthalt­sam­keit ist besser als das Gegenteil.“

Wolf Schneider gibt zwei Regeln an die Hand: Adjek­tive nur da, wo sie unter­scheiden, ausson­dern („das blaue Kleid, nicht das grüne“) oder werten („ein sehens­werter Film“) – oder wenn ein geläu­figes Adjektiv in einen unver­mu­teten Zusam­men­hang gestellt wird, wie beispiels­weise von Goethe, der „im Himmel hoch in den Alpen eine feind­se­lige Gärung“ aufsteigen sah. Im Zwei­fels­fall: lieber auf das Adjektiv verzichten.

5.2 Substan­tive

Beson­ders bei einer Rede sind bild­hafte Substan­tive zu verwenden, zum Beispiel: „Stern“, „Himmel“, „Wolke“, „Blitz“, „Baum“, „Tod“. Außerdem bild­nahe Nomen wie „Liebe“, „Treue“, „Unglück“ oder „Neid“.

Vermeiden sollten Sie bild­leere, abstrakte wie „Offen­heit“ oder „Selbst­stän­dig­keit“. Solche Substan­tive finden Sie, indem Sie auf die Endungen achten: Ersetzen sollten Sie Haupt­wörter, die enden auf „-ung“, „-heit“, „-keit“, „-ät“, „-ion“, „-ive“, „-ismus“, „-nis“, „-tum“, „-schaft“ und „-nahme“. Beispiel der Abhilfe: „Streit“ statt „Zerstrit­ten­heit“.

5.3 Verben

Das Verb ist das Königs­wort der deut­schen Sprache – wenn es als Tatwort benutzt wird. Ludwig Reiners („Stil­kunst“, München 1943) forderte gar, es statt des Substan­tivs zum „Haupt­wort“ zu krönen.

Beim Rede schreiben sind jedoch einige Verben zu vermeiden. So die meisten mit der Endung „-ieren“, wie die akade­mi­schen Impo­nier­vo­ka­beln „verba­li­sieren“, „instru­men­ta­li­sieren“, „proble­ma­ti­sieren“ und „sensi­bi­li­sieren“.

Wenn Sie Fremd­wörter verwenden, achten Sie darauf, was sie bedeuten. Wie bei allen sprach­li­chen Mitteln in einer Rede gilt: Über­legen Sie sich genau, was Sie da eigent­lich sagen. „Aufok­troy­ieren“ zum Beispiel ist eine Tauto­logie („aufauf­nö­tigen“), ebenso wie „vorpro­gram­mieren“. Ein opti­maler Text sollte auch keine Verben wie „erfolgen“, „bewirken“ oder „bewerk­stel­ligen“ enthalten – das sind „Luft­wörter“, wie Jean Paul schon 1804 kriti­sierte (in seiner „Vorschule der Ästhetik“).

Ebenso zu elimi­nieren sind, laut Lutz Mackensen („Gutes Deutsch in Schrift und Rede“, Reinbek 1968), „Spreiz­verben“ wie „verge­gen­wär­tigen“ und „beinhalten“. Zu vermeiden sind außerdem, empfiehlt Reiners, „tote Verben“ wie „es gibt“ oder „sich befinden“. Bläh­verben wie „aufweisen“ müssen eben­falls entfernt werden.

Benutzen Sie aktive Verben. Verzichten Sie auf den Passiv. Das Verb in der Infi­ni­tiv­form wird eben­falls oft nicht optimal verwandt. Beispiel: „die Erlaubnis, den Saal betreten zu dürfen“ – „dürfen“ ist hier überflüssig.

5.4 Fremd­wörter

Fremd­wörter in einer Rede haben zwei Nachteile:

  • Die meisten Fremd­wörter sind schwie­riger verständ­lich als ihre deut­schen Entspre­chungen. Beispiel: „bila­teral“ – „zwei­seitig“.

  • Fremd­wörter sind oft weniger anschau­lich als ihre deut­schen Entspre­chungen. Beispiel: „Moment“ – „Augen­blick“.

Wörter sind verständ­lich, wenn sie konkret gebraucht werden: „Zwei Hennen“ statt „zwei Stück Geflügel“. Abstra­hieren Sie nur so weit als unbe­dingt nötig.

5.5 Synonyme

Wort-Wieder­ho­lungen vermeiden beim Rede­schreiben – und lieber Synonyme verwenden? Eher nicht.

Haupt­sa­chen wieder­holen – aber ohne Synonyme

Machen Sie sich grund­sätz­lich klar: Kein Wort kann durch ein anderes gleich­wertig ersetzt werden. Synonyme – also sinn- und sachverwandte Wörter – unter­scheiden sich von dem Wort, das sie ersetzen sollen, in mindes­tens einem von vier Punkten:

  • Inten­sität. Beispiel: „Wind“: Dafür gibt es kein Synonym, denn „Brise“, „Bö“, „Sturm“, „Orkan“ sind stärker oder schwä­cher als „Wind“

  • Bedeu­tungs­um­fang. Beispiel: Eine „Visite“ macht nur der Chef­arzt oder der Kirchen­fürst; einen Staats­be­such als „Visite“ zu bezeichnen, ist also Unsinn

  • Stile­bene. Beispiel: „Gesicht“: Dafür gibt es kein Synonym, denn „Antlitz“, „Visage“, „Fresse“ sind auf der jewei­ligen Stile­bene nicht austauschbar

  • Bewer­tung. „Gesicht“ kann man nicht durch „Visage“ ersetzen, „Hund“ nicht durch „Köter“.

Haupt­sa­chen sollten Sie darum beim Reden­schreiben nicht „vari­ieren“. Synonyme führen dazu, dass sich der Hörer unter der selben Sache etwas Anderes vorstellt. Denn Menschen haben die vernünf­tige Erwar­tung, „dass jemand, der etwas anderes sagt, auch etwas anderes meint“, so der Konstanzer Sprach­wis­sen­schaftler Chris­toph Schwarze („Sprach­pflege – Sprach­kritik – Spra­cherzie­hung“, Stutt­gart 1980).

Wer einen verständ­li­chen Text produ­zieren will, der sollte „Synonyme vermeiden bis zur Grenze des Erträg­li­chen“, empfiehlt Walther von LaRoche, Autor mehrerer Stan­dard­werke zur jour­na­lis­ti­schen Ausbil­dung. Beim Reden­schreiben gilt sein Merk­satz ganz beson­ders, denn die Wieder­ho­lung – mit Bedacht einge­setzt – ist hier ein wich­tiges rheto­ri­sches Stil­mittel. Den „Wieder­ho­lungs­fehler“ gibt es nur im Deutsch­un­ter­richt. Stil­kundler kennen ihn nicht.

5.6 Vernei­nungen

Eine verständ­liche Rede sollte möglichst schnell, sofort aufge­nommen werden können. Dies wird unnötig erschwert durch Vernei­nungen. Entfernen Sie Vernei­nungen. Durch­schnitt­lich braucht man 48 Prozent mehr Zeit, eine vernei­nende Aussage zu verstehen als eine bejahende.

Außerdem hat die Nega­tion, etwa durch das Wort „nicht“, eine unge­wollt nega­tive Wirkung: Bewusst oder unbe­wusst mag es der Hörer nicht, „wenn er erfährt, was nicht ist; er möchte wissen, was ist.“ (William Strunk, The Elements of Style, 1919).

Entfernen Sie also die Nega­tionen. Unter­su­chen Sie Ihre Rede nach dem Schreiben daraufhin. Achten Sie beson­ders auf Wörter begin­nend mit „un-“. Oft können Sie nega­tive Formu­lie­rungen durch posi­tive ersetzen, zum Beispiel: „Die Gegner des Antrags unter­lagen“ ? „Die Befür­worter des Antrags siegten“.

Wenn dies schwierig ist, sollten Sie beim Rede­schreiben versu­chen, „nega­tive“ Wörter in „posi­tive“ Wörter mit nega­tiver Aussagen umzu­wan­deln. Beispiel: „vergessen“ statt „sich nicht erin­nern“. Beson­ders wichtig für eine opti­male Rede: Keine doppelten Vernei­nungen, zum Beispiel „nicht unvermögend“.

Kurze Worte, kurze Sätze

Kürze würzt Ihre Rede. Machen Sie einen eigenen Durch­gang, in dem Sie alles Über­flüs­sige streichen.

So sollten Wörter beispiels­weise nicht aufge­bläht werden: „Weite Kreise der Bevöl­ke­rung“ soll wich­tiger klingen als „viele Bürger“ – meint aber dasselbe. Zur Text­op­ti­mie­rung gehört es, Wörter auf ihre mini­male Silben­zahl zu redu­zieren. Also zum Beispiel „Zustand“ statt „Grund­be­find­lich­keit“.

Auf den Punkt bringen!

Indem Sie die Worte auf den Punkt bringen, werden auto­ma­tisch Ihre Sätze kürzer – und somit besser verständ­lich. Wenn Sie beim Vorlesen bemerken, dass ein Satz immer noch zu lang ist, machen Sie zwei daraus. Oder zwei Halb­sätze. Denken Sie daran, dass Ihre Sprech­pausen dem Hörer hilf­reiche Denk­pausen erlauben.

5.7 Schach­teln auspacken

Wenn Sie Ihre Rede schreiben, suchen Sie gezielt auch nach Schach­tel­sätzen. Beispiel:

„Bevor Herr Gerhard 1961 in unser Unter­nehmen kam, das damals bereits sehr erfolg­reich war, absol­vierte er seine Ausbil­dung bei …“

Auch wenn dies ein relativ leicht zu lesender Schach­tel­satz ist – beim Hören macht er Probleme. Bei Reden ist beson­ders stark auf die Erkenntnis zu achten, dass ein Mensch nur einen Gedanken gleich­zeitig denken kann. Entschach­teln Sie, nehmen Sie den einge­scho­benen Satz heraus:

„1961 war unser Unter­nehmen bereits sehr erfolg­reich. Damals kam Herr Gerhard in unser Unter­nehmen, bevor er seine Ausbildung …“

5.8 Eins nach dem anderen

Auch entschach­telt bereitet der Satz dem Hörer ein Problem: Er muss einen über­flüs­sigen Zeit­sprung nach­voll­ziehen. Sortieren Sie Ihre Sätze nach dem Motto: Eins nach dem anderen! Dieses Sortieren bietet auch eine gute Gele­gen­heit, das Gebot der Kürze umzu­setzen. Also:

„Herr Gerhard absol­vierte seine Ausbil­dung bei der Firma XY. Dann, 1961, kam er in unser Unter­nehmen. Es war damals schon sehr erfolgreich.“

Wenn Sie Ihre Sätze derart unter die Lupe nehmen und opti­mieren, werden Sie viel­leicht wie in diesem Beispiel fest­stellen, dass die Aussage recht banal ist. Es kann jedoch nicht Ihr Ziel sein, die Bana­lität einer Aussage zu verbergen, indem Sie sie kompli­ziert formulieren.

Viel­mehr sollten Sie daran arbeiten, die Aussage inhalt­lich anzu­rei­chern. An welchen Stellen das nötig ist, stellen Sie leicht fest, indem Sie Ihre Wörter und Sätze entschlacken.

5.9 Entschla­cken mit System

Ebenso wenig wie ein Zuhörer zwei Gedanken gleich­zeitig denken kann, können Sie als Reden­schreiber alle sprach­li­chen Ratschläge gleich­zeitig im Sinn haben, wenn Sie Ihr Manu­skript optimieren.

Deshalb empfiehlt es sich, die Empfeh­lungen Schritt für Schritt abzu­ar­beiten. Schreiben Sie sich den jewei­ligen Ratschlag als Stich­wort (zum Beispiel „Eins nach dem anderen“) auf einen Zettel. Legen Sie die Notiz neben das Manu­skript und schauen Sie immer mal wieder auf das Stich­wort. Unter­lassen Sie andere Text­ar­beiten, lassen Sie sich nicht ablenken, kümmern Sie sich nur um den jewei­ligen Punkt.

6 Die richtigen Bilder

„Der Mensch, das Augen­wesen, braucht das Bild.“

Leonardo da Vinci

Bilder zeichnen – das ist ein wich­tiges Werk­zeug jeder Rede. Bilder jedoch müssen richtig gezeichnet sein. Man schmun­zelt gerne über falsche Bilder, die meist in spon­taner Rede entstehen. Falsche Bilder fallen uns derart stark auf, dass wir sie sogar sammeln, als „Stil­blüten“, und noch lange nach­er­zählen. Ein Beispiel:

„Ich habe immer nur meinen Finger in Wunden gelegt, die sonst unter den Tisch gekehrt worden wären.“ (Paul Breitner)

Nicht nur, dass man Wunden nicht wegkehren kann. Bei den Worten „Finger in Wunden“ denkt der Zuhörer unwill­kür­lich an „offene Wunden“. Weil der gewohnte Ausdruck „Finger in die offene Wunde legen“ lautet. Offene, also blutige Wunden, die wie Abfall behan­delt werden, und unter dem Tisch liegen, nahe der Füße: Breit­ners Bild ist sogar unap­pe­tit­lich. Aber das macht es immerhin stark, weil es scho­ckiert, abstößt und somit bewegt. Frei­lich in die falsche Richtung.

Wie schwach dagegen das Bild in unserem Beispiel ganz vom Anfang: „Vierzig Jahre umfasst der Zeit­raum …“ Können Sie sich vorstellen, wie ein Raum etwas umfasst? Hände können etwas umfassen, aber keine Jahre. Und ein Raum kann gar nichts fassen. Auch dieses Bild ist falsch.

Der Fehler fällt zwar kaum auf, weil er in einer gewohnten Phrase versteckt ist. Doch das macht den Satz erstens lang­weilig, und zwei­tens hat der Redner die Chance vertan, ein besseres Bild zu zeichnen: ein wirkungs­volles, kraft­volles Bild, das uns erfasst und damit bewegen kann. Ein Bild, das Herrn Gerhard beispiels­weise als Vorbild in den Köpfen der Mitar­beiter entstehen lässt. Das sie auch noch im Kopf haben, wenn sie nach der Rede wieder ihren Dienst tun.

6.1 Bilder beginnen vor der „blumen­rei­chen“ Sprache

Finger in der Wunde ist ein Bild, aber auch der Zeit­raum. Wenn man Bilder richtig zeichnen möchte, sollte man bedenken, dass es nicht nur die „blumigen“ Worte sind, die ein Bild im Kopf des Zuhö­rers entstehen lassen – sondern das gelingt mit nahezu jedem Wort.

Sprache ist ein Ab-bild-ungs­system. Dem Zuhörer wird das selten bewusst. Es sollte Ihnen aber bewusst sein, wenn Sie eine Rede formulieren.

Prüfen Sie also nicht nur, ob Wunden kehren, sondern auch, ob Räume umfassen können. Prüfen Sie syste­ma­tisch Satz für Satz. Auch diese Arbeit lohnt sich. Denn je stim­miger Ihr Bild ist, desto leichter trans­por­tieren Sie es in den Kopf des Zuhö­rers, können Sie seine Gedanken bestimmen und führen. Je stim­miger das Bild, umso eher wird der Zuhörer unbe­wusst zustimmen und Ihnen folgen.

Natür­lich mögen nicht alle Redner diese „blumige“ Sprache. Als Reden­schreiber respek­tiere ich dies natür­lich. Die Rede muss zum Redner passen (weshalb ich zum Beispiel auch mindes­tens um eine Stimm­probe bitte).

6.2 Zugangs­chancen erhöhen

Erhöhen Sie die Wahr­schein­lich­keit, dass die Zuhörer Ihnen folgen: Berück­sich­tigen Sie die verschie­denen Reprä­sen­tanz­sys­teme Ihres Publi­kums. Es teilt sich, sprach­lich betrachtet, haupt­säch­lich auf in visu­elle, audi­tive und kinäs­the­ti­sche „Typen“. Wenn Sie jemanden reden hören, können Sie schnell fest­stellen, welche Art von Typ Sie vor sich haben:

  • Der visu­elle Typ sagt Sätze wie „Lass mal sehen!“, „Das leuchtet mir voll ein“ oder „Das sieht so aus, als wenn …“
  • Der audi­tive Typ spricht eher in Worten wie „Lass mal hören!“, „Das stimmt voll­kommen“ und „Das hört sich so an, als wenn …“
  • Der kinäs­the­ti­sche Typ sagt „Schieß mal los!“, „Das passt mir sehr gut“ oder „Da hat man das Gefühl, dass …“

Man kann hier nicht von „reinen Typen“ verspre­chen, viel­mehr domi­niert jeweils eine Charak­te­ristik. Bei einer Rede haben Sie es nun mit mehreren Menschen zu tun, deren Reprä­sen­tanz-System Sie kaum erkunden können – in jedem Fall sind alle „Typen“ im Publikum vertreten. Deshalb sollten Sie in Ihrer Rede darauf achten, alle drei Typen zu bedienen.

Visu­elle, audi­tive und kinäs­the­ti­sche Kanäle etwa zu glei­chen Teilen nutzen

Das ist beson­ders wichtig, weil ja auch bei Ihnen als Reden­schreiber ein System domi­niert. Ist dies zum Beispiel das visu­elle System, werden Sie Ihre Worte entspre­chend wählen, zum Beispiel sagen: „Da sehe ich ganz schwarz.“ Damit verschaffen Sie sich Zugang zu den visu­ellen Typen im Publikum – die anderen beiden Typen vernach­läs­sigen Sie aber.

Sie sollten also zunächst Ihr domi­nie­rendes Reprä­sen­tanz­system heraus­finden, indem Sie Ihre Worte daraufhin prüfen. Dann ändern Sie an einigen Stellen die Formu­lie­rungen, um sie den anderen beiden Systemen anzu­passen. Als Hilfs­mittel sehen Sie hier Beispiele aus einem „kleinen Wörter­buch der Reprä­sen­tanz­sys­teme“, für den Buch­staben A:

  • visu­eller Typ: abbre­chen, Ablauf, Absicht, abzielen, ange­sichts, anschau­lich, Anschauung, ansehn­lich, Aspekt, Auge, aufzeigen, Ausblick, ausmalen, aussehen, Aussicht.
  • audi­tiver Typ: Abrede, abstimmen, anders, ankün­digen, Antwort, arti­ku­lieren, aufhören, ausdrü­cken, ausge­spro­chen, ausplau­dern, ausrufen, Aussage.
  • kinäs­the­ti­scher Typ: abschneiden, absinken, abwim­meln, aktiv, angreifen, anknüpfen, annehmen, anpa­cken, anstrengen, aufgreifen, aufnehmen, aufpeit­schen, ausformen, ausführen, ausrei­chen, ausschließlich.

6.3 Sach­ver­halte, die man im Kopf anschauen kann

Manche Wörter produ­zieren ein starkes Bild, andere ein schwa­ches. Entscheiden Sie sich beim Reden­schreiben für die starken Bilder. Wählen Sie Worte, die man regel­recht im Kopf anschauen kann – die „anschau­li­chen“ Worte, im Gegen­satz zu den abstrakten. Wie Sie abstrakte Wörter in Ihrem Manu­skript aufspüren, ist im vorigen Abschnitt unter „Substan­tive“ beschrieben.

Aber suchen Sie jetzt auch nach abstrakten Sach­ver­halten. Also nach solchen, die sich kein Mensch vorstellen kann. Die Vorstel­lungs­kraft ist zum Beispiel schnell über­for­dert, wenn große Zahlen ins Spiel kommen. Wer kann sich schon eine Million vorstellen? Veran­schau­li­chen Sie den Sach­ver­halt, rechnen Sie um. Gängige Stra­te­gien sind zum Beispiel:

  • „so groß wie …“: aus Flächen­zahlen werden Fußballfelder
  • „dreimal um die Erde“: hohe Kilo­me­ter­zahlen werden mit dem Erdum­fang verglichen
  • „Von hier bis zum Mond“: Bei „astro­no­misch hohen“ Zahlen bringen Sie tatsäch­lich die Astro­nomie ins Spiel
  • „Einen Pfennig für jeden …“: Wenn ein Ereignis sehr oft passiert ist, abstrakt oft – wie viel Geld hätten Sie, wenn sie jedes Mal einen Pfennig bekommen hätten?

Solche Rech­nungen sind leicht auszu­führen und sorgen für einen schönen Effekt. Beson­ders dann, wenn Sie nicht die Stan­dard­stra­te­gien verwenden, sondern anhand des Themas unge­wöhn­liche Maßstäbe finden oder die gängigen Tech­niken passend variieren.

Krea­tive Aufgabe: Veran­schau­li­chen Sie Abstraktes

Auch diese krea­tive Aufgabe ist nicht schwer zu lösen, wenn man entspre­chende Infor­ma­tionen einholt. Denken wir beispiels­weise noch einmal an unseren Herrn Gerhard, der 40 Jahre lang in einer Schrau­ben­firma gear­beitet hat:

  • Wie viele Tage sind das, schätzungsweise?
  • Wie viele Schrauben hat er täglich hergestellt?
  • Und wie lang ist die Schraube in etwa? Was wiegt sie ungefähr?

Hat man die Zahlen – Nähe­rungs- oder Schätz­werte reichen -, dann hat man genug Farbe, um verschie­dene anschau­liche Bilder zu malen. So könnte man beim Reden­schreiben die Schrauben hinter­ein­ander legen (x‑mal um die Erde …), aufsta­peln (sogar bis zum Mond?) – oder das abge­nutzte Bild von „mit Gold aufwiegen“ aus der Gruft holen: Wie viel wären die Schrauben wohl wert, wenn Herr Gerhards Arbeit buch­stäb­lich mit Gold aufge­wogen würde?

6.4 Nutzen Sie den Gefühlswert

Am stärksten wirken Worte, die Gefühls­bilder produ­zieren. „Gold“ ist ein solches Wort, das starke Gefühle weckt. Bei dem einen Freude, bei dem anderen Neid, bei dem dritten Gier. Und bei allen wahr­schein­lich ein Stück davon. Weil jeder unter jedem Wort etwas anderes versteht, andere Asso­zia­tionen hat, können Sie Gefühls­worte beim Reden­schreiben nicht perfekt kontrol­lieren. Sie sollten sie aber grund­sätz­lich den Wörtern vorziehen, die gar keine oder kaum Gefühle produzieren.

7 Wirksame Kreativkunst: Metaphern und Analogien

Gefühls­worte sind jedoch nur schwer zu finden, wenn der Rede­ge­gen­stand wenig Gefühl auslö­send ist. Wer seinen Geschäfts­be­richt vorträgt, das neueste Schrau­ben­mo­dell vorstellt oder über anonyme, abstrakte Menschen­massen spricht – zum Beispiel über „die Gesell­schaft“, „den Staat“ oder „die Parteien“ -, da sinkt der Gefühls­wert schnell auf Null. In solchen Fällen bringen Sie Meta­phern und Analo­gien ins Spiel.

7.1 Meta­phern

Eine Meta­pher ist ein gewohntes Bild, dem die Zuhörer leicht folgen, aus Gewohn­heit. Dieses Bild – das Gefühle auslöst – kann klein sein, aus einem Wort bestehen (z. B. Büro­hengst, Schreck­schraube, Paragraphenreiter).

Große Meta­phern sind beim Reden­schreiben beson­ders effektiv. Sie bestehen aus mehreren Teilen, die allge­mein bekannt sind. Eine beliebte Meta­pher ist beispiels­weise die von der Familie. Sie soll Gefühle auslösen wie Nähe, Vertrauen, Zunei­gung, Sicher­heit. Das Bild kann man leicht einleiten:

„Herr Gerhard ist der Vater unseres Erfolgs.“

Die Einzel­teile der Fami­lien-Meta­pher sind allge­mein bekannt: Eine Familie hat einen Vater, eine Mutter, Kinder und ein Haus, in dem alle leben; außerdem Verwandte und Nach­barn. Wollen Sie die Meta­pher wirksam einsetzen, über­tragen Sie in Ihrer Rede einige dieser Rollen auf reale Handelnde.

Meta­phern sind tief im kollek­tiven Gedächtnis verankert

Wenn Ihnen das eini­ger­maßen plau­sibel gelingt, profi­tieren Sie enorm: Das Bild ist so tief und fest im kollek­tiven Gedächtnis veran­kert, dass die Zuhörer Ihnen unwill­kür­lich folgen. Die gewünschten Gefühle entstehen beim Zuhörer. Ein Beispiel, von einem meis­ter­haften Redner – Winston Chur­chill, bei einem Besuch in den USA:

„Ich bin (…) hierher gekommen, um über einige Fami­li­en­an­ge­le­gen­heiten zu spre­chen und mögliche Miss­ver­ständ­nisse auszu­räumen. Die englisch­spra­chige Familie – oder Bruder­schaft – ist ziem­lich groß und nicht immer und überall ganz ohne Probleme. Wenn wir zusam­men­ar­beiten können, können wir allein klar­kommen und viel dafür tun, unseren Nach­barn in der Welt zu helfen, von denen einige – auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs – wohl noch größere Probleme haben als wir selbst.“

Ein schönes Beispiel für gute engli­sche Reden. Die Meta­pher ist hervor­ra­gend angewandt:

Zum Bild der Familie gehört, dass es in einer großen Familie niemals „ganz ohne Probleme“ zugeht. Dass hier zwei Staaten offenbar im Clinch liegen, wird ehrlich ausge­spro­chen – aber meis­ter­haft baga­tel­li­siert: Streit ist eben normal, in einer großen Familie … was aber nicht so schlimm ist, denn letzt­lich, das ist bekannt, hält eine Familie ja zusammen! Und der Meta­phern-Teil „Nach­bar­schafts­hilfe“ besorgt Akzep­tanz für ein Ansinnen, das konkret ausge­spro­chen weniger eingängig wäre: den Feind unterstützen.

Faszi­nie­rend, was eine Meta­pher in der Rede bewegen kann! Da fliegt Chur­chill in die USA und sagt, dass er den Feinden der USA helfen will. Und fordert sogar, dass die USA ihre eigenen Feinde unter­stützen sollen. Ohne die Fami­lien-Meta­pher hätte die Rede wie ein ekla­tanter Affront geklungen – mittels der Meta­pher aber kommt sie harmo­nisch an.

Sie können die Fami­lien-Meta­pher viel­fältig für Ihre Rede­zwecke nutzen, beson­ders effektiv zum Beispiel bei einer Antritts­rede. Die Meta­pher passt beim Reden­schreiben auf Ihren Betrieb, Ihren Verband oder Verein.

Beson­ders beliebt ist auch die Weges-Meta­pher, die sich z. B. eignet, um trockene Zahlen­werke – etwa Geschäfts­be­richte – zu illus­trieren, mit Gefühlen zu unter­legen. So können auch Fehl­schläge verharm­lost werden:

Wirkungs­volle Weges-Metapher

Ange­sichts schlechter Zahlen kann man beim Reden­schreiben von „Holz­wegen“ spre­chen. Die gibt es nun einmal, das weiß jeder – dank der Meta­pher. Der Zuhörer weiß auch: Man darf nicht immer „auf den ausge­tre­tenen Pfaden“ wandeln, man muss etwas wagen, auch einmal Umwege und Irrwege in Kauf nehmen. Die man jetzt natür­lich wieder verlassen hat – Auswege sind gesucht und gefunden, zum Beispiel das jüngste Schrau­ben­mo­dell. Damit geht man wieder auf dem „rich­tigen Weg“: dem „Erfolgsweg“.

Meta­phern eignen sich auch vorzüg­lich, um Befürch­tungen zu vermit­teln. „Unsere Firma fährt einen unru­higen Kurs“: Schon kurze Andeu­tungen in Ihrer Rede genügen, um beispiels­weise die uralte Schiffs-Meta­pher in See stechen zu lassen. Das Boot in wilden, unbe­kannten Gewäs­sern, in stür­mi­scher See … viel­leicht sogar manö­vrier­un­fähig. Rollen, die Sie beim Reden­schreiben besetzen und beschreiben können: Der Kapitän, die Mann­schaft, der Steuermann.

7.2 Analogien

Analo­gien sind Vergleiche, und in Meta­phern stecken und wirken sie: Der Vorstands­chef z. B. steuert das Unter­nehmen wie ein Kapitän, der den Kurs bestimmt. Auch mit der Analogie können Sie bekannte Bilder nutzen. Geht es beispiels­weise um unseren flei­ßigen Herrn Gerhard – welche Analogie fällt Ihnen zum Thema Fleiß ein? Viel­leicht die Biene:

„Herr Gerhard, Sie waren stets fleißig wie eine Biene.“

Das kommt frei­lich ein wenig unver­mit­telt. Deshalb ist es gut, wenn Sie die Analogie jetzt weiter treiben können. Viel­leicht war Herr Gerhard ja auch ein guter Teamarbeiter:

„Und wie es sich für eine ordent­liche Biene gehört, haben Sie auch den anderen Bienen gezeigt, wo der Nektar zu holen ist.“

So werden auch die anderen Mitar­beiter als fleißig gelobt. Denken Sie beim Reden­schreiben aber daran, was Ihre Zuhörer denken könnten, wenn Sie dieses Bild produ­zieren. Viel­leicht denkt das Publikum an den Schwän­zel­tanz der Bienen. Aber … ein schwän­zel­tan­zender Herr Gerhard ..? Passt das? Sie haben jetzt drei Möglichkeiten:

  • Sie entscheiden, das ist Bild unan­ge­messen, unan­ge­nehm oder schlicht zu schief – und suchen ein neues.
  • Sie nehmen die wahr­schein­liche Fantasie des Publi­kums in Kauf. Ihre Einschät­zung lautet: Das Bild ist ein wenig schief, aber immerhin lustig und tut niemandem weh.
  • Sie spielen mit dem Bild, greifen offensiv die mögli­chen Fanta­sien auf: „… wobei Sie aller­dings bei uns im Unter­nehmen noch keinen Schwän­zel­tanz aufge­führt haben.“ Jetzt noch ein biss­chen Selbst­ironie, das entlastet Herrn Gerhard: „Aber so viel verlange selbst ich nicht von meinen Mitarbeitern!“

Analo­gien bieten Ihnen beim Reden­schreiben noch mehr krea­tive Möglich­keiten. Im Gegen­satz zur Meta­pher muss die Analogie nämlich nicht allge­mein bekannt sein – Sie können selbst eine neue, frische Analogie erfinden. So etwas ist oft hinrei­ßend originell.

Frische Analo­gien sind die besten

Wenn Ihnen beim Reden­schreiben ein stim­miger Vergleich gelingt, haben Sie ein wunder­bares Stil­mittel in Ihrer Rede: Die Zuhörer sind amüsiert, über­rascht und zum Mitdenken ange­regt. Das Publikum folgt Ihnen dann mit Vergnügen. Einige Beispiele, gesam­melt von Peter H. Ditko, dem Leiter der Deut­schen Rednerschulen:

„Wenn Kinkel eine Aktie wäre, würde ich sie heute verkaufen.“ (Joschka Fischer)

„Wenn Bush den Fall der Berliner Mauer als seine Leis­tung bean­sprucht, ist das so, als wenn sich der Hahn den Sonnen­auf­gang anrechnet.“ (Al Gore)

„Mit den Repu­bli­ka­nern als Malz­kaf­fee­partei – braun, billig und von vorges­tern – kommt eine Zusam­men­ar­beit nicht in Frage.“ (Heiner Geißler)

Wenn Sie gute Vergleiche finden wollen, sammeln Sie beim Reden­schreiben alles, was Ihnen zu dem Begriff einfällt, für den Sie eine Analogie suchen. Viel­leicht hat Al Gore bei „George Bush“ an einen stolzen Gockel gedacht – und kam so zum Hahn. Folgende Hilfs­mittel erleich­tern Ihnen, Asso­zia­tionen zu finden:

  • Krea­ti­vi­täts­tech­niken, vor allem das Brain­stor­ming: Schreiben Sie beim Reden­schreiben spontan auf, was Ihnen zu dem Begriff einfällt.
  • Internet, Lexika und Wörter­bü­cher: Tippen Sie den Begriff in eine Such­ma­schine oder suchen Sie nach sinn- und sach­ver­wandten Begriffen.
  • Ihre Umge­bung: Nutzen Sie beim Reden­schreiben den Zufall und über­legen Sie, welche Gegen­stände an Ihrem Arbeits­platz mit dem Begriff verbunden werden können.
  • Abstra­hieren: Suchen Sie nach einem Ober­be­griff für Ihren Begriff (zum Beispiel „George Bush“ ? „männ­li­ches Wesen“). Schauen Sie dann, welche anderen Unter­be­griffe dazu passen. Der Gockel gehört dazu.

Auch diese Mühe lohnt beim Reden­schreiben. Denn auch Analo­gien spre­chen den Gefühls­kanal an – und über den Gefühls­kanal errei­chen Sie Ihre Zuhörer beim Reden­schreiben am ehesten. Und bewegen sie über die Rede hinaus.

Denken Sie an eine Ohrfeige: Lange danach, wenn die Backe längst nicht mehr schmerzt, hallt das Gefühl der Demü­ti­gung noch nach. Auch wenn nur wenige Reden ihre Zuhörer ohrfeigen sollen – nach­hallen sollte jede Rede.

Gefühl auslö­sende Bilder, Wörter und Wendungen sind deshalb Ihre Joker, wenn Sie beim Reden­schreiben die Karten für eine Rede mischen.

Frank Rosen­bauer

Leserstimme:

„Auch, wenn wir uns nicht persön­lich kennen und nie mitein­ander gear­beitet haben, möchte ich Ihnen ein Kompli­ment machen.

Ich bin im Internet auf Ihren Aufsatz gestoßen, wie man eine gute Rede schreibt und war begeis­tert.

Sie haben das toll auf den Punkt gebracht.

Vieles von dem, was ein guter Redner wissen und können muss, gilt auch für einen Rund­funk- und Fernseh-Mode­rator oder Reporter.

Und wunderbar anschau­lich wie unter­hal­tend geschrieben.“

Rede schreiben: Experte gibt Bewertung abMedi­en­coach Rein­hard Krol, Super­visor, ehem. ARD-Korrespondent

Checkliste Redenschreiben

  • Keine Stan­dard­phrasen
  • Die Botschaft wird klar, deut­lich und wieder­holt transportiert
  • Die Aussagen sind glaubhaft
  • Unnö­tiger Ballast wurde abge­worfen – die Rede ist weder Fakten­flut noch Zahlenmeer
  • Schwer­punkte sind der Botschaft entspre­chend gesetzt
  • Die Zuhörer bekommen Nutz­wert und Freude
  • Nicht mehr als drei Begrü­ßungen am Anfang, weitere im Zusammenhang
  • Der Einstieg macht die Zuhörer aufmerksam
  • Der Mittel­teil ist einfach und über­sicht­lich aufgebaut
  • Die Glie­de­rung wird versprachlicht
  • Das Ende wird durchs Reden­schreiben angekündigt
  • Manu­skript wurde diktiert oder wenigs­tens zur Kontrolle laut vorgelesen
  • Verständ­liche Sprache, konkret, bild­haft; nur unbe­dingt notwen­dige Fremdwörter
  • Synonyme für Haupt­sa­chen sind vermieden, ebenso Verneinungen
  • Die Sätze sind kurz, unver­schach­telt und gut sortiert
  • Die Bilder beim Reden­schreiben stimmig komponiert
  • Visu­elle, audi­tive und kinäs­the­ti­sche Kanäle werden etwa zu glei­chen Teilen genutzt
  • Abstraktes wird veranschaulicht
  • Wirkungs­volle Meta­phern werden genutzt
  • Analo­gien sind auf ihre wahr­schein­liche Wirkung hin bedacht

Zusammenfassung

Wie schreibe ich eine Rede?

  1. Fragen Sie sich: „Welche Ziele möchte ich mit meiner Rede errei­chen?“ Was sollen Ihre Zuhörer nach der Rede tun, fühlen, wissen und wollen?
  2. Aus Ihren Zielen entwi­ckeln Sie Ihre Kern­bot­schaft
  3. Sammeln Sie Kern­aus­sagen, die Ihre Botschaft stützen und gliedern
  4. Über­legen Sie sich für den Aufbau Ihrer Rede einen Roten Faden (zum Beispiel Meta­pher, Visua­li­sie­rung oder Zitat)
  5. Skiz­zieren Sie Ihre Rede in Stich­worten und unfer­tigen Sätzen
  6. Formu­lieren Sie Ihre Rede erst­mals aus – wobei Sie beim Schreiben bewusst inner­lich mitsprechen
  7. Bauen Sie gezielt rheto­ri­sche Stil­mittel ein
  8. Opti­mieren Sie Ihr Rede­ma­nu­skript für den münd­li­chen Vortrag: Ändern Sie schrift­sprach­liche Formu­lie­rungen in verbale Sprache
  9. Prüfen Sie, ob Ihre Rede Ihren anfangs defi­nierten Zielen entspricht sowie der Check­liste Rede schreiben
Rede schreiben - Buch 1

Mein Buch mit Prof. Dr. Mentzel
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Literatur zum Redenschreiben

Rede schreiben - Buch 2

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