von Frank Rosen­bauer M.A. | aktua­li­siert: 19.10.2025

So schreiben Sie eine würdevolle Rede zum Volkstrauertag 2025

Der Volks­trau­ertag am 16. November 2025 steht vor der Tür. Als Bürger­meister, Vereins­vor­sit­zender oder Vertreter einer Gemeinde haben Sie die verant­wor­tungs­volle Aufgabe, bei der örtli­chen Gedenk­feier eine Rede zu halten.

Dieser Ratgeber wird Ihnen dabei helfen, eine ange­mes­sene und respekt­volle Ansprache zu formu­lieren, die der Bedeu­tung dieses stillen Gedenk­tags gerecht wird und die Anwe­senden zum Nach­denken über Frieden und Versöh­nung anregt. Durch eine opti­male Vorbe­rei­tung auf Ihre Rede sinkt auch das Lampen­fieber.

1. Beginnen Sie mit einer würdevollen Begrüßung

Eröffnen Sie Ihre Rede mit einer ange­mes­senen Begrü­ßung der Anwe­senden und erklären Sie kurz den Anlass. Der Volks­trau­ertag ist ein stiller Feiertag, der seit 1952 zwei Sonn­tage vor dem ersten Advent begangen wird und dem Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt­herr­schaft und Terror dient. Sie können beispiels­weise schreiben:

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbür­ge­rinnen und Mitbürger! Ich begrüße Sie herz­lich zu unserer Gedenk­feier am Volks­trau­ertag. Wir sind heute hier zusam­men­ge­kommen, um inne­zu­halten und der Toten zu gedenken – der Opfer von Kriegen, Gewalt­herr­schaft und Terror. In einer Zeit, in der Frieden nicht selbst­ver­ständ­lich ist, ist es unsere Pflicht, diese Stunde des stillen Geden­kens zu bewahren.“

2. Erläutern Sie die Bedeutung und Geschichte des Volkstrauertags

Im nächsten Abschnitt sollten Sie kurz auf die Bedeu­tung und histo­ri­sche Entwick­lung des Volks­trau­er­tags eingehen. Der Gedenktag wurde 1919 vom Volks­bund Deut­sche Kriegs­grä­ber­für­sorge nach dem Ersten Welt­krieg ins Leben gerufen. Die erste offi­zi­elle Gedenk­stunde fand 1922 im Deut­schen Reichstag statt, wo Reichs­tags­prä­si­dent Paul Löbe eine bedeu­tende Rede hielt.

„Der Volks­trau­ertag wurde 1919 vom Volks­bund Deut­sche Kriegs­grä­ber­für­sorge als Gedenktag für die gefal­lenen Soldaten des Ersten Welt­kriegs vorge­schlagen. Bereits 1922 sprach der dama­lige Reichs­tags­prä­si­dent Paul Löbe im Reichstag bewe­gende Worte: ‚Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch die Toten zu ehren, bedeutet die Abkehr vom Hass, bedeutet die Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat Liebe not.‘ Diese Worte haben bis heute nichts an ihrer Gültig­keit verloren.“

3. Nennen Sie konkrete Zahlen und Opfergruppen

Eine Volks­trau­er­tags­rede sollte konkret benennen, wessen wir gedenken. Spre­chen Sie über die verschie­denen Opfer­gruppen und verdeut­li­chen Sie durch Zahlen das Ausmaß der Tragö­dien. Dies macht das abstrakte Leid greif­barer und persönlicher.

„Wir gedenken heute der 55 Millionen Menschen, die allein im Zweiten Welt­krieg ihr Leben verloren haben. Wir gedenken der Soldaten beider Welt­kriege, der zivilen Opfer von Bombar­die­rungen und Vertrei­bung, der ermor­deten Juden, Sinti und Roma, der poli­tisch Verfolgten, der Wider­stands­kämpfer und aller, die unter der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft leiden mussten. Wir gedenken der Opfer von Teilung und Mauer. Und wir denken an die Menschen, die heute noch unter Krieg, Gewalt und Terror leiden.“

4. Stellen Sie einen lokalen Bezug her

Beson­ders bewe­gend wird Ihre Rede, wenn Sie einen Bezug zu Ihrer Gemeinde oder Region herstellen. Erwähnen Sie lokale Kriegs­denk­mäler, gefal­lene Bürger aus Ihrem Ort oder Zeit­zeugen. Dies macht das Gedenken persön­li­cher und näher.

„Auch aus unserer Gemeinde sind 78 Männer im Ersten Welt­krieg und 124 im Zweiten Welt­krieg nicht zurück­ge­kehrt. Ihre Namen sind auf unserem Krie­ger­denkmal eingra­viert. Beim Lesen der Namen fallen gleiche Nach­namen auf – manche Fami­lien verloren mehrere Söhne, Väter oder Brüder. Hinter jedem Namen steht ein Schicksal, eine Familie, die trau­erte, Kinder, die ohne Vater aufwuchsen. Diese persön­li­chen Tragö­dien dürfen wir nicht vergessen.“

5. Thematisieren Sie aktuelle Bezüge und Konflikte

Der Volks­trau­ertag ist nicht nur ein Rück­blick auf vergan­gene Kriege, sondern auch eine Mahnung für die Gegen­wart. Ziehen Sie Verbin­dungen zu aktu­ellen Konflikten und Krisen­herden. Das Motto der zentralen Gedenk­stunde 2025 lautet: „Versöh­nung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“.

„Heute, über 80 Jahre nach Ende des Zweiten Welt­kriegs, erleben wir erneut Krieg in Europa. In der Ukraine sterben täglich Menschen. Im Nahen Osten, in Afrika und anderen Regionen herr­schen Gewalt und Terror. Der Volks­trau­ertag erin­nert uns daran, dass Frieden keine Selbst­ver­ständ­lich­keit ist. Wir müssen täglich daran arbeiten – durch Dialog, Verstän­di­gung und den Mut, Vorur­teilen entge­gen­zu­treten. Das Motto der zentralen Gedenk­stunde 2025 ‚Versöh­nung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden‘ ist heute aktu­eller denn je.“

6. Formulieren Sie eine klare Friedensbotschaft

Der Volks­trau­ertag soll nicht nur Trauer, sondern auch Hoff­nung und den Willen zum Frieden vermit­teln. Formu­lieren Sie eine klare Botschaft gegen Krieg und für Versöh­nung, Verstän­di­gung und fried­li­ches Zusammenleben.

„Das Gedenken an die Toten verpflichtet uns Lebende. Es verpflichtet uns, alles zu tun, damit sich die Schre­cken der Vergan­gen­heit nicht wieder­holen. Es verpflichtet uns, für Demo­kratie und Menschen­rechte einzu­stehen. Es verpflichtet uns, Hass und Ausgren­zung entge­gen­zu­treten, wo immer sie auftreten. Und es verpflichtet uns, die Versöh­nung mit unseren eins­tigen Feinden zu pflegen und weiter­zu­ent­wi­ckeln. Die deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schaft, die euro­päi­sche Eini­gung – sie sind Früchte dieser Versöh­nung und unser wert­vollstes Erbe.“

7. Würdigen Sie die Arbeit des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Der Volks­bund Deut­sche Kriegs­grä­ber­für­sorge ist seit 1919 Träger und Orga­ni­sator des Volks­trau­er­tags. Eine kurze Würdi­gung seiner Arbeit bei der Pflege von Kriegs­grä­ber­stätten und der Jugend­ar­beit ist angemessen.

„Seit über 100 Jahren kümmert sich der Volks­bund Deut­sche Kriegs­grä­ber­für­sorge um die Gräber deut­scher Kriegs­toter im Ausland und um die Pflege der Erin­ne­rung. In 46 Ländern betreut der Volks­bund heute 832 Kriegs­grä­ber­stätten mit etwa 2,8 Millionen Kriegs­toten. Mit seiner Jugend- und Bildungs­ar­beit leistet er einen wich­tigen Beitrag zur Frie­dens­er­zie­hung. Dafür gebührt ihm unser Dank und unsere Unterstützung.“

8. Integrieren Sie das rituelle Totengedenken

Tradi­tio­nell gehört zur Volks­trau­er­tags­rede das ritu­elle Toten­ge­denken mit der Formel „Wir denken heute an…“ Dieses sollte verschie­dene Opfer­gruppen einzeln benennen und kann am Ende oder vor der Kranz­nie­der­le­gung gespro­chen werden.

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in den Welt­kriegen starben, der Menschen, die durch Kriegs­hand­lungen oder danach in Gefan­gen­schaft, als Vertrie­bene und Flücht­linge ihr Leben verloren. Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk ange­hörten, einer anderen Rasse zuge­rechnet wurden, Teil einer Minder­heit waren oder deren Leben wegen einer Krank­heit oder Behin­de­rung als lebens­un­wert bezeichnet wurde.“

9. Achten Sie auf eine ernste und respektvolle Sprache

Bei einer Volks­trau­er­tags­rede ist ein würde­voller, ernster Ton ange­bracht. Vermeiden Sie jedoch über­trie­benen Pathos oder natio­na­lis­ti­sche Töne. Die Sprache sollte mahnend, aber nicht beleh­rend sein, traurig, aber auch hoffnungsvoll.

10. Verwenden Sie passende Zitate oder literarische Bezüge

Ein passendes Zitat kann Ihrer Rede zusätz­liche Tiefe verleihen. Wählen Sie Worte von Zeit­zeugen, Poli­ti­kern oder Schrift­stel­lern, die zur Botschaft des Tages passen. Die bereits erwähnte Rede von Paul Löbe von 1922 bietet sich beispiels­weise an.

„Bertolt Brecht schrieb: ‚Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und lässt andere kämpfen für seine Sache, der muss sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Nieder­lage.‘ Diese Worte erin­nern uns daran, dass wir alle Verant­wor­tung tragen – für Frieden, für Demo­kratie, für Mensch­lich­keit. Wegschauen ist keine Option.“

11. Schließen Sie mit einem Aufruf zum Engagement

Beenden Sie Ihre Rede nicht nur mit Trauer, sondern mit einem Appell zum aktiven Einsatz für Frieden und Verstän­di­gung. Der Volks­trau­ertag soll nicht nur rück­wärts­ge­wandt sein, sondern auch Mut für die Zukunft machen.

„Lassen Sie uns diesen Tag nicht nur als Tag der Trauer, sondern auch als Tag der Verpflich­tung verstehen. Die Verpflich­tung, wachsam zu sein gegen­über Hetze und Ausgren­zung. Die Verpflich­tung, für Demo­kratie und Rechts­staat­lich­keit einzu­stehen. Die Verpflich­tung, unseren Kindern und Enkeln ein fried­li­ches Europa zu hinter­lassen. In diesem Sinne wollen wir nun gemeinsam einen Kranz nieder­legen und in stiller Andacht der Toten gedenken. Ich danke Ihnen.“

12. Beachten Sie den zeremoniellen Rahmen

Eine Volks­trau­er­tags­rede ist einge­bettet in einen zere­mo­ni­ellen Rahmen. Sie sollte die Kranz­nie­der­le­gung vorbe­reiten, oft folgen eine Schwei­ge­mi­nute und die Natio­nal­hymne. Achten Sie auf eine ange­mes­sene Länge von etwa fünf bis acht Minuten.

Fazit

Eine Rede zum Volks­trau­ertag 2025 ist eine beson­dere Verant­wor­tung. Mit einer sorg­fäl­tigen Vorbe­rei­tung, einer würde­vollen Sprache und einer Botschaft, die Gedenken und Mahnung verbindet, können Sie eine Ansprache halten, die den Anwe­senden in Erin­ne­rung bleibt und zum Nach­denken anregt. Wenn Sie die oben genannten Tipps beher­zigen, wird Ihre Volks­trau­er­tags­rede ein würdiger Beitrag zu diesem wich­tigen Gedenktag sein. Gerne helfe ich Ihnen dabei.