Führen in Zeiten der Trauer
Ihre Trauerrede auf einen Mitarbeiter ist weit mehr als eine organisatorische Pflichtübung. Sie ist ein entscheidender Moment der Unternehmenskultur und – psychologisch gesehen – ein Anker für das verbliebene Team. In diesem Moment blicken alle Augen auf Sie, nicht nur als Vorgesetzten, sondern als Menschen, der dem Verlust einen Rahmen gibt. Wenn Sie diese Aufgabe als Führungskraft authentisch annehmen, schaffen Sie Vertrauen und Halt, der weit über den Tag hinauswirkt.
Wussten Sie, dass Mitarbeiter bei der Traueransprache der Geschäftsleitung genau spüren, ob echte Wertschätzung oder nur "Corporate Wording" spricht? Sie geben das Signal: „In unserer Firma zählt der Mensch, nicht nur die Arbeitskraft.“ Dieses Bewusstsein hilft Ihnen, die richtige Balance zwischen professioneller Distanz und menschlicher Wärme zu finden.
Oft fragen mich CEOs und Abteilungsleiter, ob sie Emotionen zeigen dürfen. Ich habe erlebt, dass genau diese "kontrollierte Menschlichkeit" – wenn die Stimme kurz bricht, man sich aber wieder fängt – die stärkste Autorität ausstrahlt. Es ist mein Anspruch, Ihnen dabei zu helfen, diesen schmalen Grat sicher zu meistern.
Doch Vorsicht: Die Last der Verantwortung kann auch blockieren. Viele Vorgesetzte flüchten sich in Fakten und Lebensläufe, aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Ein wirklich großer Nachruf zeichnet sich nicht durch die Aufzählung von Projekten aus, sondern durch die Würdigung des Charakters. Indem Sie sich bei Ihrer Trauerrede auf das Wesen des Verstorbenen konzentrieren, vermeiden Sie kühle Distanz und erreichen eine Ansprache, die Belegschaft und Angehörige gleichermaßen berührt.