Redeangst und Lampenfieber besiegen

 

Ihr Chef war von Ihrer Idee so begeistert, dass Sie nun vor der ganzen Abteilung das neue Projekt in einer Präsentation verstellen dürfen?

Sie sollen bei der Jahreshauptversammlung ihres Vereins die Aktivitäten des letzten Jahres zusammenfassen?

Oder wurden Sie von der Bürgerinitiative gebeten, dem Stadtrat Argumente für eine neue Lärmschutzwand vorzutragen?

Dann herzlichen Glückwunsch!

Nein?

Für Sie ist das eher eine Bestrafung statt Zeichen der Anerkennung und des Respekts Ihrer Meinung und Leistung?

Allein bei dem Gedanken daran, dass Sie vor so vielen Menschen sprechen sollen, schnürt sich Ihnen bereits der Hals zu?

Dann atmen Sie jetzt einfach mal tief durch und lesen die folgenden Tipps.

Danach wird Ihre Redeangst sicher bei Weitem nicht mehr so überwältigend sein.

Frank Rosenbauer M. A.
Frank Rosenbauer M. A.Redenschreiber und Geschäftsführer RedeGold Rededienst

„Was hilft am besten gegen Lampenfieber und Redeangst?

Eine gut ausgearbeitete Rede, die so gut ist, dass man sich darauf freut, sie vorzutragen.

Gerne helfe ich Ihnen dabei.“

Der erste Vorschlag mag vielen als Widerspruch erscheinen.

Auch wenn es Ihr eigentliches Ziel ist, die unangenehme Aufregung loszuwerden, lernen Sie zunächst sie anzunehmen.

Versuchen Sie die Tatsache zu akzeptieren, dass Sie Angst davor haben, vor anderen zu sprechen.

Und mehr noch, versuchen Sie sogar es als positives Zeichen zu sehen!

Wenn Sie beispielsweise erkältet sind, ist ein Fieber sicher unangenehm.

Die hohen Temperaturen belasten den Kreislauf und Sie fühlen sich einfach angeschlagen.

Genauer betrachtet ist das Fieber aber durchaus sinnvoll, das bei der höheren Körpertemperatur die Krankheitserreger abgetötet werden.

Ganz ähnlich ist es mit Ihrer Panik vor Ihrer Rede.

Ihre Angst zeigt Ihnen, dass Sie die Sache ernst nehmen.

Wäre es Ihnen egal, wie Sie bei Ihrem Gegenüber ankommen, wären Sie auch nicht so aufgeregt.

Mittlerweile ist es auch belegt, dass durch eine gewisse Angst und Aufregung Ihre Konzentration sogar zunimmt.

Sie werden bei Ihrem Vortrag also wesentlich sorgfältiger sein und genauer auf Details achten, als wenn es Ihnen egal wäre.

Selbst Profis, egal ob Musiker, Schauspieler oder auch Moderatoren, berichten in Interviews immer wieder, dass sie auch nach Jahrzehnten auf der Bühne immer noch mit ihrer „stagefright“, wie Lampenfieber auf Englisch heißt, zu kämpfen haben.

Und, merken Sie diesen (vermeintlichen) Profis etwas davon an?

Sicher nicht.

Und so wird es auch Ihrem Publikum gehen.

Um mehr Sicherheit für das nächste Mal zu bekommen, fragen Sie ruhig nach Ihrem Vortrag bei einzelnen Zuhörern nach.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, fragen Sie einfach ganz direkt nach Feedback:

Hat man Ihnen Ihre Nervosität angemerkt?

Wie war Ihre Lautstärke?

Die Sprechgeschwindigkeit?

Haben Sie deutlich gesprochen?

Mit diesen Rückmeldungen können Sie sich von Rede zu Rede verbessern, schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Einen Großteil Ihrer Angst können Sie sich aber auch mit einer entsprechend guten Vorbereitung nehmen.

Arbeiten Sie Ihren Vortrag detailliert aus, sprechen Sie ihn immer wieder durch.

Üben Sie vor dem Spiegel und gerne auch vor Familie und/oder Freunden.

Solche „Probedurchläufe“ geben Sicherheit und helfen, typische Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden.

Denken Sie beispielsweise am Anfang ganz bewusst daran, langsam zu sprechen.

Als Mensch sind Sie bei Angst darauf programmiert wenn nötig die Flucht zu ergreifen.

Nachdem Sie aber erst gehen können, wenn Sie ihren Vortrag beendet haben, werden Sie ganz automatisch schneller sprechen.

Haben Sie aber vorher trainiert, in den ersten Minuten, die zweifelsfrei die aufregendsten sind, langsam zu sprechen, wird Ihnen dieser typische Fehler nicht passieren.

Außerdem beruhigt es, wenn Sie zumindest ihre Einstiegssätze auswendig können.

Wenn Sie diese Sätze bereits Zuhause immer und immer wieder gesprochen haben, ist die Situation nicht mehr ganz so neu für Sie und Sie müssen in Ihrer Aufregung nicht auch noch mit zitternden Händen ein Skript ablesen oder gar überlegen, was Sie überhaupt sagen wollen.

Alles was schriftlich verfasst wird, hat automatisch eine größere Verbindlichkeit, als mündliches.

Also machen Sie sich eine Checkliste.

Was brauchen Sie, um einen guten Vortrag halten zu können?

Wollen Sie bestimmte Materialien oder Gegenstände zeigen?

Sprechen Sie komplett frei oder erstellen Sie Ihre Präsentation am PC?

Brauchen Sie einen Beamer oder Overheadprojektor?

Vielleicht einen Zeigestab?

Möchten Sie zur moralischen Unterstützung einen kleinen Glücksbringer einpacken?

Oder einen bestimmten Tee zur Beruhigung?

Wie wäre ein Schokoriegel als spätere Belohnung?

Beim Verfassen solch einer Checkliste spielen Sie Ihre Rede in Gedanken bereits durch.

Und dies werden Sie sicher öfter tun.

So können Sie nicht nur sicher sein, dass Sie nichts vergessen, Sie bekommen auch weitere Sicherheit, weil die Situation vor einer Gruppe zu sprechen, zumindest in Gedanken nun nicht mehr so fremd ist.

Nichts ist schlimmer, als kurz vor Beginn Ihres großen Momentes beispielsweise noch im Verkehr fest zu stecken.

Oder in dem Moment, wenn es losgehen soll zu merken, dass es technische Probleme gibt.

Ersparen Sie sich diesen Stress!

Das sind zusätzliche Belastungen, die Sie zu diesem Zeitpunkt weder möchten noch brauchen.

Planen Sie einen großzügigen Zeitpuffer ein und seien Sie rechtzeitig vor Ort.

So haben Sie schon einmal die Gelegenheit, sich mit den Räumlichkeiten vertraut zu machen.

Kommen Sie an, bereiten Sie ohne Hektik alles vor.

Dann können Sie sicher sein, dass Sie sofort und ohne Zwischenfälle beginnen können, wenn es soweit ist.

Ein weiterer Vorteil eines solchen Zeitpuffers:

Ihre Zuhörer werden nach und nach ankommen und Sie haben die Gelegenheit, einige von ihnen bei einem zwanglosen Small Talk bereits etwas kennen zu lernen.

So haben Sie keine anonyme Masse vor sich sitzen, sondern haben vielleicht sogar erfahren, wie sehr man sich bereits auf Ihren Vortrag freut.

Oder wie sehr man vor Ihnen Respekt hat, dass Sie sich eine Rede vor solch einem großen Publikum zutrauen.

Wäre das nach all der Redeangst, die Sie bereits seit Wochen haben, nicht ein Grund für ein entspannendes Lächeln?

Und damit wären wir bereits bei einer weiteren Methode, um ihre Panik in den Griff zu bekommen.

Erarbeiten Sie nicht nur Ihren Vortrag, überlegen Sie auch, was Sie besonders gut entspannen könnte.

Möchten Sie sich noch mal kurz etwas auspowern und beispielsweise einige Treppenstufen hoch und runter rennen?

Oder bevorzugen Sie etwas weniger schweißtreibendes und auffälliges und spannen einfach unbemerkt einige Muskelgruppen ganz fest an, um sie dann bewusst wieder zu entspannen?

Kennen Sie eine Atemtechnik aus dem Yoga, die bei Ihnen Wunder wirkt?

Oder wie wäre eine Tasse Ihres Lieblings-Tees?

Möchten Sie noch mal am Telefon die aufmunternden Worte eines lieben Menschen hören?

Vielleicht schreiben Ihnen Ihre Freunde auch eine kleine Liste mit Argumenten, warum sie sich sicher sind, dass Sie eine phänomenale Rede halten werden?

Was auch immer, Sie werden garantiert etwas finden, dass Ihnen hilft, Ihre Panik vor Ihrer Rede in eine moderate Angst umzuwandeln, die sich gut handhaben lässt.

Wenn Sie Ihre Sinne und Konzentration schärft ohne Ihren eigentlichen Vortrag zu blockieren, ist ja alles in Ordnung.

Nichts irritiert mehr, als wenn man gerade mit vollem Herzblut dabei ist, vor eine Gruppe von Leuten zu sprechen um dann festzustellen, dass einige gar nicht zuhören, völlig irritiert blicken beispielsweise oder vielleicht sogar böse Gesichter machen.

Selbstverständlich muss das weder etwas mit Ihnen noch mit Ihrer Rede zu tun haben, aber wenn Sie ohnehin bereits sehr aufgeregt sind, werden Sie in solch einem Moment gar nicht anders können, als alles als direkte Reaktion auf Ihren Vortrag zu sehen.

Suchen Sie sich also ganz bewusst, nette und freundliche Gesichter im Publikum.

Versuchen Sie zwischendurch Ihre Blicke schweifen zu lassen und jeden Ihrer Zuhörer einmal anzusehen.

So werden sich alle in Ihre Rede eingebunden und angesprochen fühlen.

Aber kehren Sie ruhig immer wieder zu denjenigen zurück, die Sie besonders gespannt, interessiert und wohlwollend anblicken.

Sie müssen sich diese Minuten nicht noch unnötig schwer machen.

Sie werden merken, auch wenn mit diesen Tipps Ihr Lampenfieber nicht völlig verschwinden wird, Sie werden damit umgehen können.

Und genau darum geht es ja auch.

Sie brauchen weder Medikamente noch müssen Sie sich Gedanken machen, was mit Ihnen nicht stimmt.

Es gehört schon ein gewisses Maß an Mut dazu, sich vor eine Gruppe, womöglich sogar völlig Fremder, zu stellen und zu sprechen.

Der US-Autor Neale Donald Walsch meinte zu diesem Thema einmal:

„Das Leben beginnt am Ende deiner Komfortzone.“ Und damit hatte er völlig recht.

Sie werden sich sicher nicht weiter entwickeln, wenn Sie das machen, was Sie immer schon getan haben.

Bereichern Sie Ihr Leben und sich selbst, indem Sie neue Erfahrungen machen.

Und eines ist dabei absolut unschlagbar: das gute Gefühl, es tatsächlich geschafft zu haben, wenn Sie nach all der Aufregung Ihre Rede mit Applaus beendet haben.